Auf geht’s nach Madeira


Wieder einmal bin ich auf dem Weg zu einer meiner Lieblingsinseln – inzwischen schon zum sechsten Mal. Während ich bisher immer von bzw. nach Gran Canaria oder Teneriffa unterwegs war, ist diesmal Lanzarote mein Ausgangspunkt. Die Marina Rubicón liegt an der Westseite der Insel, genau gegenüber von  Fuerteventura, das nicht allzu weit entfernt ist.

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Diesmal bin ich mit der “Paula” unterwegs, die für eine solche Hochseereise fast ein bisschen klein ist, sich aber bei jedem Wetter tapfer schlägt.  “Paula” ist eine siebzehn Jahre alte Dufour 35 Classic, die außergewöhnlich gut gepflegt und in Schuss ist.

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Wir sind nur zu Dritt unterwegs, was natürlich ein Haufen Arbeit auf so einem Hochseetörn ist – ganz besonders, wenn das Boot nicht über einen Autopiloten verfügt Weinendes Smiley.

Trotzdem machen wir uns guten Mutes auf den Weg, da der Wetterbericht ganz vielversprechend ist. Damit man mal sieht, auf welcher Basis man solche Aussagen macht, hab ich hier mal eine entsprechende Seite aus meinem Zygrib-Wettervorhersage-Programm kopiert.

Wetter

Hier sieht man die Wind- und Seegangsverhältnisse am 12. April 2017 um 06.00 Uhr UTC (also acht Uhr morgens deutscher Zeit) zwischen den Kanarischen Inseln und Madeira. Ganz unten am Rand sieht man die Wochentage Sonntag bis Freitag. Eine solche Vorhersagekarte gibt es für diesen Zeitraum, z.B. im Abstand von sechs Stunden. Die kann ich dann z.B. wie einen Zeitrafferfilm ablaufen lassen und so einen sehr guten Überblick über die Wetterdynamik haben. Die Basisdaten dahinter stammen von den amerikanischen Wettersatelliten und können weltweit direkt von einem amerikanischen Wetterserver heruntergeladen werden.

Los geht es also bei warmem, herrlichen Wetter und nicht allzu viel Wind und schon bald liegt Lanzarote hinter uns…

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…und herrliches Segeln vor uns.

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Irgendwann unterwegs – mehrere hundert Kilometer vom nächsten Land weg bekamen wir dann Besuch von diesem kleinen Gesellen:

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Der arme Kern hatte sich wohl ein wenig verflogen und war ziemlich ermattet. Er erkundete dann gründlich das Schiff und setzte sich an allen möglichen Plätzen bin, um sich zu erholen.

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Laufend flog er heraus und wieder herein in die Kabine. Dann allerdings beging er einen großen Fehler: Irgendwann, als wir nicht aufpassten, flog er von außen durch das kleine Fenster in unsere Toilette. Sei es, dass er doch zu entkräftet war, sei es, dass ihn beim Versuch, da wieder herauszukommen, der Schlag getroffen hat. Jedenfalls fand ihn dann nach einiger Zeit der erste, der die Toilette benutzen wollte, tot dort liegen. Wir haben ihm eine ehrenvolle Seebestattung verpasst.

Nach dreieinhalb Tagen erreichten wir dann am Mittwoch, den 12. April um vier Uhr morgens meine Lieblingsmarina Quinta do Lorde an der Westspitze meiner Lieblingsinsel Madeira.

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Man muss nur aufpassen, dass man keine Minderwertigkeitskomplexe bekommt, wenn man direkt neben einem mehr als doppelt so langen Trumm liegt:

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Fachleuten läuft das Wasser im Munde zusammen, wenn sie an der Seite des Kahns dieses Schild sehen:

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Die britischen “Oyster”-Yachten gelten als Inbegriff des sportlichen Luxusbootes schlechthin – und diese 74 Fuß-Auster ist noch eine der kleineren. Listenpreise werden nicht veröffentlicht, aber wir reden da über so irgend etwas um drei Millionen Pfund – netto, vor Mehrwertsteuer, versteht sich.

Und da eine Auster selten allein kommt, lag gleich am Steg noch eine, allerdings ein paar Jahre älter.

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Damit kein Missverständnis aufkommt: Wenn schon ein reicher Mensch so viel Geld für ein Boot ausgibt, dann lieber für so etwas als für ein fettes Motorboot, das sportlich zu nichts nutze ist, meine ich.

Wie seit vielen Jahren üblich, machte ich auch dies Jahr meine gewohnte Inselrundfahrt im Mietauto. Diesmal etwas anders als sonst. Ein Cewmitglied wollte unbedingt selbst fahren (in den letzten sechs Jahren war ja immer ich dran). Das ging dann allerdings manchmal doch arg langsam, weil er natürlich die engen Bergstraßen nicht so gut kannte wie ich und laufend von “Eingeborenen” überholt wurde. Auch das (zumindest für mich) traditionelle Abendessen im Restaurant in Funchal musste ausfallen, weil meine Crew diesmal dazu keine Lust hatte.

Fotos von der Rundfahrt habe ich ja jedes Jahr gezeigt, wen’s interessiert, der schaue sich meine früheren Posts an. Diesmal zeige ich deshalb nur wenig. Natürlich die Statuette mit Brunnen am Aussichtspunkt, wie jedes Jahr:

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Diesmal frisch geputzt und von kiloweise Wachsresten bereit. Ansonsten konnte man zwar manches sehen, aber nicht viel fotografieren. Warum, sieht man hier:

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Auf halber Höhe sah es schon so aus, und je höher wir kamen,  umso mehr landeten wir in den Wolken. Auf unserer Rückfahrt durch das Naturschutzgebiet in den Bergen fuhren wir dann nur durch Nebel und hatten leider keinerlei Ausblick – davon gibt es dann naturgemäß auch keinerlei Fotos.

Ach ja, eine Sache gibt es doch noch zu berichten. Ich halte ja immer an einem bestimmten Aussichtspunkt unterhalb eines Leuchtturms.

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Diesmal war dieser zum ersten Mal geöffnet und man konnte ihn  besichtigen. Kostete nix, man musste sich nur mit Namen und Heimatstadt beim Leuchtturmwärter in ein Buch eintragen. Es war ganz interessant, eine solche Lampe mal von nahem zu sehen. Es ist leider schlecht zu fotografieren, dass es sich bei der Leuchtquelle um gar nicht so große Halogenlampen handelt. Trotzdem war der Aufstieg interessant.

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Geradezu bauhausmäßig wirkte auf mich die Perspektive des Treppenhauses.

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Interessant fand ich nur zum Schluss noch, was sich manche Leute so in Ihren Vorgarten stellen.

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Nach einmal noch kräftig ausschlafen und ergänzen der Lebensmittel- und Wasservorräte fuhren wir dann am Donnerstag, den 13. April um ein Uhr nachmittags los, um die weit über 500 Seemeilen zu den Azoren in Angriff zu nehmen.

Zunächst gab es selbst für mich als alten Madeirahasen noch etwas neues: Bisher bin ich ja von dort aus immer nach Nordosten gefahren bzw. von gekommen. Dismal aber ging es nach Nordwesten, also fuhren wir erst einmal die ganze Länge der Insel nach Westen ab, leider wegen Flaute unter Motor. Da gab es vieles ionteressantes zu sehen. Hier mal ein paar Eindrücke.

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Man beachte oben links die Häuser am Klippenrand. Bei den folgenden Bilder hab ich erst überlegt, was das eigentlich ist. Nur die extreme Ausschnittvergrößerung zeigt, dass  es sich um einen Lastenaufzug handelt.

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Und wer weiß, wo ich früher gewohnt habe, kann sich denken, an qwas kich das hier erinnert:

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Und so langsam verschwand dann Madeira achteraus. Auf Wiedersehn Blumeninsel, im Oktober bin ich wieder da!

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Und dann war da nur noch 900 Kilometer Meer…

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Und wie es weiterging, erzählt der Segelwolf beim nächsten Mal.

So stay tuned!

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Herbst in Sizilien


Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Nach sechs Wochen zuhause in Deutschland bin ich jetzt auch schon wieder über vier Wochen hier in Sizilien auf der Orion.

Die Gründe, weshalb ich nichts veröffentlicht habe, sind vielfältig. Der wichtigste: Es gab wenig, was ich für berichtenswert hielt. Neben verschiedenen Törns, über die ich ja schon vielfältig geschrieben habe (Malta, Gozo, Syrakus), lag das Boot einige Zeit im Hafen, weil wir diverse Wartungsarbeiten und Einbauten vornahmen. So hat die ORION zum Beispiel eine neue Webasto-Heizung erhalten, falls es denn doch mal kalt werden sollte.

Mein letzter Törn, von dem ich gerade zurück gekommen bin, hatte allerdings das volle Programm: Es begann auf dem Weg nach Westen mit viel Flaute, aber als wir dann auf der Insel Favignana ankamen, drohte schon Ungemach. Wir haben zwar noch eine schöne sternenklare Nacht vor Anker verbracht, aber gegen vier Uhr morgens fing es bereits heftig an zu blasen. Gottseidank hatte ich mit sehr viel Sorgfalt unseren Anker richtig fest gefahren, sodass trotz des heftigen Windes wir bombenfest lagen. Wir wollten eigentlich danach auf die andere Seite der Insel und uns die Hauptstadt von Favignana anschauen (Der Segelwolf hat ja über deren Sehenswürdigkeiten letztes Jahr ausführlich berichtet), aber als wir morgens den Anker lichteten, hatten wir bereits 30 Knoten Wind, das ist immerhin schon Windstärke 7. Aber das alte Schlachtross ORION hat auf See mit solchem Wetter überhaupt keine Probleme. Großsegel ins dritte Reff, die kleine Sturmfock am Kutterstag aufgezogen – und ab ging die Post! Unterwegs hatten wir dann in den Böen bis zu 40 Knoten Wind, das ist so an der Grenze zwischen 8 und 9 Beaufort. Und das ganze nur zu Dritt. ber wie gesagt, die ORION macht das schon und so kam auch bei meiner Crew zu keiner Zeit Angst auf.

Das einzige Problem war dann das Anlegen in Trapani. Mit 35 Knoten Wind von der Seite eher weniger lustig, wir haben es aber hinbekommen, ohne das alles zu Kleinholz wurde.

Das Ganze war nur der (schneller als vorhergesagt angekommene) Ausläufer des heftigen Sturmtiefs, das Sardinien verwüstet hatte und dort wohl 17 Tote auf dem Gewissen hat.

Nur damit das klargestellt ist: Man segelt bei solchem Wetter nicht freiwillig raus. Es gibt aber Situationen, wo man eben muß, und das war so eine. Wir konnten halt einfach dort nicht bleiben wo wir waren, als das vorzeitige Unwetter losging.

Fotos gibt’s von all dem leider keine. Mit der kleinen Crew war mir nicht nach fotografieren.

So, das war aber jetzt genug Text ohne Bilder. Heute gibt es zur Abwechslung mal einen Bericht über den Segelwolf an Land in unserem Stützpunkthafen Licata. Wir liegen dort in der Marina di Cala del Sole, einer der wenigen sizilianischen Marinas mit Komfort in europäischem Standard (naja, mit einem leichten sizilianischen touch natürlich…). Irgendwann sollen hier mal 1.200 Boote liegen. Na, noch ist es nicht so weit.

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Licata ist eine sizilianische Kleinstadt mit ungefähr 38.000 Einwohnern. Die historische Altstadt liegt direkt neben dem Yachthafen und hat für mich einen ganz besonderen Charme, da sie so überhaupt nicht touristisch ist. (Natürlich gibt es hier im Sommer jede Menge Touristen –  aber nur Italiener).

Hier einfach mal ein paar Impressionen aus der Altstadt:

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Wie überall rund um das Mittelmeer sind die Gassen sehr schmal gebaut, um im Sommer Schatten zu spenden, da es sonst sehr heiß wird.

 

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All dies sieht zunächst recht ärmlich aus. Wenn man aber mal genauer hinschaut oder mit den Leuten spricht, dann merkt man, dass einfach auf das äußere Erscheinungsbild der Häuser in der Altstadt kein Wert gelegt wird. Innen drin sind das teilweise wunderschöne und komfortable Wohnungen. Der Putz mag ja abfallen, aber hinter so einer Haustür verbirgt sich keine ärmliche Behausung.

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Wie überall auf Silzilien finden sich hier jede Menge schöne Barockgebäude, aber auch neuere interessante Bauten. Alle sind lebendig und in Benutzung, sei es als Bank, als Rathaus, als Schule oder was auch immer.

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Steigt man den Berg ein bisschen höher, erhält man einen schönen Ausblick auf den Fischerhafen und links davon unseren neuen Yachthafen. Insgesamt ist die Licazteser Hafenanlage sehr großzügig gebaut und deshalb außergewöhnlich gut vor Unwettern geschützt.

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Das hier ist der Fischereihafen. Hier liegt auch das Boot, auf dem mein Freund Lillo Fischer ist.

 

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Das ist die linke Hälfte des Hafens. Man erkennt die erste Ausbaustufe des Yachthafens. Irgendwann soll dieser Teil mal voll mit Stegen sein.

 

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Links der Yachthafen, rechts davon der Eingang zum Fischereihafen.

Mittlerweile habe ich hier eine Clique von unheimlich netten Italienern gefunden. Nahe gekommen sind wir uns über das Gitarrenspiel. Über einen österreichischen Yachtie habe ich hier eine Kneipe gefunden, wo im Sommer immer Italiener saßen, die Musik machten, hauptsächlich sizilianische Volksmusik und italienische Schlager. Ich hab den Jungs interessehalber auf die Finger geschaut, um zu sehen, welche Akkorde die spielen – und schwupps, drückte mir einer einfach seine Gitarre in die Hand, und was daraus wurde seht ihr hier:

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Wie man sieht, spielen wir nicht nur Gitarre und singen, sondern feiern auch zusammen. Das ist meine Methode, italienisch zu lernen – besser als jedes Lehrbuch. Inzwischen bin ich als Gruppenmitglied voll akzeptiert und fühle mich in diesem Kreis pudelwohl.

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Neben den abendlichen Sitzungen (inzwischen ob des schlechteren Wetters etwas seltener geworden) treffen wir uns Samstag Nachmittags im historischen Zentrum in einer zum Probenraum umfunktionierten ehemaligen Werkstatt. Da geht es denn musikalisch etwas heftiger zur Sache. Wir schmettern da alles mögliche, von Domenico Modugno bis Creedence Clearwater Revival und Eagles (natürlich auf Italienisch – was denkt Ihr denn!)

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Neben mir seht ihr hier Antonio, einen Baumaschinenfahrer, Piero, der eine kleine Werft besitzt, Lillo, gelernter Bäcker und jetzt Fischer, dazu noch einen pensionierten Fischdampferkapitän und einen pensionierten Polizisten. Wir haben, wie man sieht, viel Spaß zusammen.

Diese Woche haben wir hier eine Inspektion der Berufsgenossenschaft Verkehr. Da wir ein gewerbliches Schiff sind, muss es alle zwei Jahre überprüft werden, um das deutsche Schiffssicherheitszeugnis zu erhalten. Danach geht es dann nochmal auf einen Törn und am 8. Dezember fliege ich nach zwei Monaten wieder einmal nach Hause.

So liebe Leser, das war’s für heute. Bald gibt’s wieder was vom Segelwolf. Bis dahin: Bleibt gesund und habt Spaß am Leben!

Mal was anderes


Diese Woche bin ich auf einem Kurztrip in einer Gegend, in der ich seit vier Jahren nicht mehr gesegelt bin, nämlich in Südfrankreich. Diesmal bin ich wirklich eine Art nautischer Taxifahrer. Eine junge Truppe von Unternehmern fährt auf einen Kongress nach Monaco und hat beschlossen, das mit einem Kurzurlaub auf See zu verbinden. So sind wir also gestern in Port Frejus losgefahren und haben abends als erstes in Cannes übernachtet. Da gestern der letzte Abend der Filmfestspiele war und der Yachthafen direkt neben dem Festspielhaus liegt, war da natürlich ein Mordstrubel mit Hospitality-Zelten, VIP-Transport mit Luxuslimousinen und jeder Menge wichtiges Volk in Smoking und Abendkleid auf der Straße. Und Yachten lagen da –ich schätze mal, für den Steg an dem wir lagen, reicht eine Milliarde Euro als Wert nicht aus.

Interessant war zum Beispiel dieses Teil mit dem mächtigen Heck:

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Wenn man das öffnet, seht es darin so aus:

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Was da drin steht, reicht allein schon aus, um zwei Familien an der Ostsee glücklich zu machen. Für die “Bootsgarage” bräuchte man dann doch mindestens 20 Millionen Euro.

Eine der größeren Yachten hatte für die Filmfestspiele ARTE gemietet:

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Das geht wohl auch nur in Frankreich. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn ein öffentlich-rechtlicher, aus Gebühren finanzierter Sender so etwas in Deutschland hinlegen würde.

 

 

Wenn schon unvernünftig viel Geld für ein Boot ausgeben, dann doch lieber für so etwas: Ein traumhaft schöner und gepflegter alter Gaffelschoner, der ebenfalls sofort nach Ende der Filmfestspiele abdampfte. Wir haben ihn dann später in Antibes wiedergesehen.

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Unser nächster Stop – auch nicht weit weg – war Antibes. Die Gegend um das Cap d’Antibes und Juan les Pins kenne ich ja schon seit meiner Jugendzeit in den 60er Jahren. Mit dem Antibes von damals hat dass heutige aber nichts mehr zu tun. Die Stadt ist halt viel größer geworden, und die massig gebauten Riesenhäuser helfen auch nicht, das Stadtbild zu verschönern. Nur das eigentliche Cap sieht von außen zumindest unverändert aus, mit seinen vielen Villen in großen Gärten.

Mittlerweile wird der Hafen von Antibes sogar von großen Kreuzfahrtschiffen angefahren. Wenn die auslaufen und sich aus der schmalen Einfahrt zwängen, haben alle anderen erst mal Pause. Auf der Hafenmole blicken dann schon lange vorher drei rote Lichter, die die Einfahrt verbieten.

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Weiter ging’s, wieder nur ein Katzensprung nach Niizza. Da allerdings fanden wir kein Plätzchen für unser Boot, weil der Hafen überfüllt war. Also weiter in die nächste Bucht nach Villefranche-sur-mer. Das nun ist im Gegensatz zu Nizza eine zauberhafte kleine Bucht mit einem kleinen Yachthafen, in dem wir dann den allerletzten Platz an der Tankstelle ergatterten. Hier nur ein paar Impressionen aus Villefranche, dass keine drei Kilometer von der Großstadt Nizza entfernt ist.

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Wie man sieht, liegen selbst hier große Kreuzfahrtschiffe auf Reede.

Nach einem Ruhetag ging es dann weiter nach Monaco, wo meine Leute sich zu ihrem Kongress anmelden mussten. Wir hatten heftigen Mistral mit Windstärke 7, so dass wir bei strahlend blauem Himmel nur unter gereffter Genua mit Rauschefahrt vor dem Wind nach Monte Carlo bretterten. Herrlichstes Segeln.

In Monaco wurden wir in den kleineren Yachthafen Fontvieille gesteckt – mit 13 Metern waren wir wohl für den bekannten großen Hafen zu popelig. Der Hafen liegt ja ganz hübsch…

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aber sonst ist Monaco nicht mein Fall. Wer dort lebt oder auch nur Urlaub macht, ist so was von abgehoben vom normalen Leben, wie ich das noch nirgendwo sonst gesehen habe. Auf dem Parkstreifen vor der Marina standen auf ein paar hundert Metern Donnerstag Abend fünf Ferrari, ein Maserati , ein Bentley (mit Hamburger Nummer!) und mindestens acht Porsche Turbos. Ganz zu schweigen von “Kleinwagen” wie Porsche Cayennes, BMW X5 usw.

Das hier ist der Gebäudekomplex am Yachthafen (Die Einfahrt mit dem roten Seezeichen kann man im Vordergrund sehen). In diesem – ja nun nicht gerade aufregenden) Appartementblock kann man zur Zeit eine Dreizimmerwohnung mit 107 Quadratmetern kaufen – für 5,5 Millionen Euro!

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Monaco ist ein winziger, semiunabhängiger Stadtstaat, der interessanterweise nicht Mitglied der Europäischen Union ist. Die knapp 36.000 Einwohner verteilen sich auf ca. 2 Quadratkilometer, was zur höchsten Bevölkerungsdichte aller Staaten der Erde führt. Man schätzt, das von den 36.000 Einwohnern ungefähr die Hälfte Millionäre sind. Was soll man da als normaler Mensch noch wollen. Wenn man erst mal Millionär oder Milliardär ist, ist es ja schön wenn man keine Einkommensteuer zahlt. Aber möchte man dafür so wohnen und dafür auch noch Millionen bezahlen? (Die Immobilienpreise Monacos sind die höchsten Europas – noch vor London).

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Ja, dann wohne ich als Multimillionär doch lieber auf meinem Schiff. Davon liegen dann auch einige der größten hier. Teilweise sind es auch Yachten, die man sich für den Urlaub chartern kann. Die Preise gehen da bei etwas 200.000,- Dollar pro Woche los. Zu Feiertagen, bei den Filmfestspielen von Cannes oder beim Monaco Grand Prix kann es auch ein mehrfaches davon sein.

Hier mal eine kleine Auswahl:

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MEAMINA – 60 Meter lang. Kann man ab 315.000 Euro pro Woche mieten

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Marjorie Morningstar – 52 Meter lang; ein Schnäppchen für nur 200.000 Euro pro Woche

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WEDGE TOO – gehört dem stv. libanesischen Premierminister, 62 Meter lang.

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Ein Segler gefällig? Auch PANTHALASSA kann man für 200.000 Euro/Woche chartern. 56 Meter lang, Segelfläche 1.500 Quadratmeter, 6 Doppelkabinen. Mal von innen anschauen? Hier ein Panthalassia-Filmchen.

Und zum Schluss noch der absolute Hit, der so groß ist, das er nicht mal in den Hafen von Monaco passt:

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ATESSA IV ist 101 Meter lang und gehört dem amerikanischen Milliardär Dennis Washington. Hat schlappe 250 Millionen Dollar gekostet. (Man beachte den Hubschrauber auf dem Achterdeck). Wer mehr wissen will, schaut sich den Link ATESSA an.

Der Kontrast: Menton

Nur ein paar Kilometer weiter liegt die alte Hafenstadt Menton. Sie ist Grenzstadt zu Italien und hat ein interessantes Flair mit einer Mischung aus französischen und italienischen Einflüssen. Hier ein paar Impressionen.

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Wer mich kennt, weiß, dass mir hier viel besser gefällt. Hier habe ich zum Beispiel auch den Laden “1001 Honige” entdeckt und mich mit mehreren Sorten versorgt. Lecker, sage ich Euch!

Inzwischen bin ich aber schon wieder zu Hause. So ganz kann ich leider die Schreibtischarbeit ja noch nicht hinter mir lassen. Ich melde mich wieder, wenn der Segelwolf wieder auf Abenteuerreise geht. Bleibt mir gewogen!

Segelwolf-Update


Lange nichts geschrieben, weil ich vor lauter segeln nicht dazu kam. Hier kommt der Update der letzten Wochen.

Nach unserem Sturmritt von den Kanaren nach Madeira war windmäßig erst mal die Luft raus. Der große Schlag von fünf Tagen über den Atlantik war relativ ereignislos. Wenig Wind, teilweise mussten wir auch unter Motor laufen. Die wenigen Male, wo es richtig Wind gab, hielten die Crew allerdings nicht vom Kochen und Essen ab.

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Dann gab es auch mal schönste Rauschefahrt und tolles Segeln.

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Aber meistens zeigte sich der Nordatlantik von seiner friedlichsten Seite – nur schade, dass der Jahreszeit gemäß das bisschen Wind auch noch aus Nord bis Nordost kam -  also genau daher, wo wir denn hin wollten. Aber das ändert nichts daran, dass Abendstimmung in der Weite des Meeres einfach ein unvergessliches Erlebnis ist.

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Natürlich bekamen wir auch diesmal auf unserer Reise den schon traditionellen Besuch. Diesmal war die Dame aber beringt, also domestiziert und nahm sozusagen den Bus nach Gibraltar. Insgesamt blieb sie fast zwanzig Stunden bei uns an Bord. Allerdings hatten vor vorsichtshalber die jeweilige Wache beauftragt, das Schiff umgehend nach der Herstellung wieder von der entsprechenden Taubenkacke zu befreien. Wie man sieht, pflegte sie in den langen Wachstunden einen umfangreichen Gedankenaustausch mit dem Rudergänger.

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Wir hatten natürlich neben einem vollen Tag auch für die große Strecke reichlich Diesel in Reservekanistern mit. Als wir dann sicher waren, Gibraltar mit Reserven zu erreichen, haben wir die Reservekanister in den Haupttank umgefüllt. Das ist auf See eine wacklige Angelegenheit. Insofern war die Art, wie ein Crewmitglied ihren Liebsten sichert, damit er beim Tanken nicht üner Bord geht, zwar gut gemeint, im Ernstfall aber vielleicht nicht ausreichend gewesen.

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Ohne weitere besonderen Vorkommnisse erreichten wir dann die Straße von Gibraltar und mit dem Leuchtturm von Tarifa den südlichsten Punkt Europas.

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Der letzte Tag der Reise von Gibraltar nach Malaga war dann ereignislos, und nach vierzehn Tagen hieß es dann Abschied nehmen von der Überführungscrew.

Einen Ruhetag hatte ich in Benalmádena bei Malaga. Das reichte, um das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen und mich ein bisschen auszuruhen , sowie die wichtigsten Einkäufe (Handy und Internet-Stick aufladen usw.) zu machen. Unser Liegeplatz war diesmal ein Logenplatz für alle möglichen Ereignisse. So werden hier z.B. die Jungs bei der Kommunion in unmögliche Uniformen gesteckt und müssen für den Papa an allen möglichen Ecken posieren, damit das Ereignis auch gebührend in Form von fotografischen Aufnahmen festgehalten wird. Also wurden wir gebeten, den jungen Herrn Admiral doch auch mal ans Ruder zu lassen.

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Am Sonntag Morgen fand dann vor meiner Haustür der erste Triathlon von Benalmádena statt. Die Damen und Herren radelten in den Hafen, parkten dort ihre Rennräder, und rannten ihre erste Runde direkt bei mir am Schiff vorbei.

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Danach traf dann meine neue Crew ein , mit der ich einen Sechstage-Trip nach Gibraltar und Marokko machte. Dem Ausflug nach Tetouan in Marokko ist ein extro Blog gewidmet, der demnächst folgt. Heute soll es erst einmal wieder nach Gibraltar gehen, wo ich sehr gerne bin. Einige der nachfolgenden Bilder verdanke ich meinem Crew-Kollegen Andreas, wofür ich herzlich danke.

Es blieb bei wenig oder gar keinem Wind, als wir uns von Malaga nach Gibraltar aufmachten. Vor dem berühmten Felsen ist die Reede, auf der massenweise Tanker liegen, die darauf warten, in der Bucht von Gibraltar (auf Spanisch Bahia de Algeciras – natürlich NICHT Gibraltar – die Engländer und Spanier sind sich ja ob der Halbinsel immer noch nicht grün) zur größten spanischen Raffinerie fahren zu dürfen.

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Um die Ecke ist dann die Einfahrt in die Gibraltar-Bay. Schaut Euch ruhig die Fotos an, die ich vor genau einem Jahr in den Blog gestellt habe. Hier sei nur noch einmal Europa Point gezeigt; die Südspitze von Gibraltar ähnelt ein bisschen dem Zuckerhut in Rio..

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Die Tanker bringen nur zum teil Erdöl zur Raffinerie. Die meisten holen dort Treibstoff ab und bringen den dorthin, wo es keine Raffinerien gibt. Da vor der Raffinerie nicht genug Platz ist, werden die großen Tanker über kleine Zubringer-Tanker auf der Reede “gefüttert”.

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In der Queensway Quay Marina gab es noch zwei Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Schaut Euch zum Beispiel mal die nachstehende Segelyacht genau an:

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Fällt Euch was auf? Richtig! Der Mast steht völlig frei! Keine Stagen, keine Wanten, nichts!! Da die Yacht aber immerhin so aus Amerika über den großen Teich gekommen ist, muss das ja wohl funktionieren. Wenn man auf dem Foto links genau hinschaut, sieht es so aus, als ob der Mast drehbar ist und durch das Deck auf dem Stahlboden des Schiffes, vielleicht mit einem Zahnkranz oder so etwas gestellt ist. Außerdem hat der Mast natürlich einen extrem großen Durchmesser.

Das exakte Gegenstück zu diesem High Tech Teil lag nur einige Schritte weiter. Zu den nachstehenden Bildern kann ich nur sagen: Wunder, wunderschön, aber Arbeit ohne Ende…

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Das Gegenstück an Land dazu stand auf dem Marina-Parkplatz, ein herrlich erhaltener und restaurierter Porsche Spider aus den Fünfziger Jahren, in dem ein Engländer erschien und seine Yacht bestieg.

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Zum Schluss kommt jetzt noch ein Album mit Impressionen von Gibraltar , aufgenommen vom Affenfelsen – einschließlich der berühmten Affen von Gibraltar. Der Sage nach bleibt der Felsen so lange Britisch, wie dort noch ein Affe lebt. Allerdings nehmen sie zur Zeit überhand und werden ziemlich frech. Sie kommen von ihrem Felsen bis in die Stadt hinunter und beklauen rotzfrech die Fußgänger. Wer mit einer Einkaufstüte vom Supermarkt läuft, kann damit rechnen, dass ihm die abgenommen wird und die Viecher sich die Leckereien heraus suchen. Wer eine grüne Tüte von Marks & Spencer mit den gekauften Klamotten hat, bleibt unbehelligt…

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War das ein Ritt


KEs fing alles ganz harmlos an. In Las Palmas de Gran Canaria kam de neue Crew an Bord. Nach dem üblichen Großeinkauf für den langen Törn ins Mittelmeer segelten wir am Ostersonntag den ersten Eingewöhnunsschlag nach Santa Cruz auf Teneriffa. Naja, segeln ist gut – Kein Wind und neun Stunden unter Motor.

Am nächsten Tag ging es dann auf den ersten Hochseeschlag nach Madeira über ca. 275 Seemeilen Atlantik-Blauwasser.   Da wir ja nun Tag und Nacht segeln müssen, steht als erstes einmal eine Wacheinteilung an. Unser Schiff ist auf diesem Langstreckentörn absichtlich voll besetzt mit acht Leuten. Das hat den Vorteil, dass der Skipper nicht mit Wache gehen muss, sondern jederzeit gerufen werden kann und trotzdem wenigstens ein Minimum an Schlaf bekommt.  Bei der Segelei hat sich bei mir ein System bewährt, das nachts Wachen von drei Stunden und tagsüber Wachen von vier Stunden vorsieht. Bei drei Wach-Crews sieht das wie folgt aus:

Uhrzeit

1. Tag

2. Tag

3. Tag

21 – 24

A

B

C

00 – 03

B

C

A

03 – 06

C

A

B

06 – 09

A

B

C

09 – 13

B

C

A

13 – 17

C

A

B

17 – 21

A

B

C

 

Wie man hieraus erkennt, verschieben sich die Wachdienste pro Crew jeden Tag um eine Wache, sodass gerechterweise jede einmal angenehme Uhrzeiten und auch jeder einmal die unangenehme “Hundewache” von Mitternacht bis drei Uhr hat.

Los ging es, wie die letzte Etappe aufgehört hatte. Wir legten Mittags um halb zwei in Santa Cruz ab und mussten erst einmal, von wenigen kurzen Intervallen abgesehen, 24 Stunden unter Motor laufen. Zeit genug, mal zwischendurch leckere Snacks zu reichen,

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Aber Dann gings los, und das gleich heftig: Dienstags um eins fingen wir an zu segeln, um vier musste ich schon zwei Reffs ins Großsegeln binden und um acht Uhr abends wurde die Genua gegen die Sturmfock getauscht, die wir vorsichtshalber schon am zweiten Vorstag, dem Kutterstag angeschlagen hatten.  Der Himmel zog sich zu, Schauer gingen durch und die Atlantikwellen erreichten schon mal 3 – 4 Meter Höhe.

Das war ja alles noch normal. Mit der richtigen Kleidung ist so ein Wetter ja  überhaupt keine Sache. Zeitweise hatten wir weit draußen auf dem Atlantik sogar noch einen Passagier, der sich mehrere Stunden bei uns ausruhte, bevor er weiterflog.

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Jedenfalls war die Mannschaft bei Windstärke 5 – 6 besten Mutes.

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Als wir aber dann in die zweite Nacht kamen, wurde es heftig. Der Wind nahm immer mehr zu, bis wir dann gegen Morgen, so um sechs Uhr Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von 50 Knoten hatten – das ist ausgewachsener Sturm mit maximal Windstärke 10 !Da hatte sich dann im Laufe der Nacht die sowieso schon recht hohe und lange Atlantikdünung zu strammem Seegang aufgebaut. Es ist schwer zu schätzen, aber eine Wellenhöhe von 8 Metern hatten wir mindestens.

Zum fotografieren hatte ich in dieser Zeit wenig Gelegenheit, außerdem ist so etwas schwer auf Fotos abzubilden. Aber vielleicht geben die paar Bilder, die ich gemacht habe, zumindest eine Ahnung der Naturgewalten, mit denen man es zu tun hat.

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Das alles mag sich vielleicht für den Laien gefährlich anhören, ist es aber keineswegs. Unsere gute ORION ist für solches Wetter gebaut und zugelassen worden. Alle Sicherheitseinrichtungen, die deutsche Behörden fordern, sind an Bord und noch viel mehr. Bei der richtigen Besegelung (in diesem Fall 2. oder 3. Reff und Sturmfock am Kutterstag) läuft das Bott auch bei diesem >Wind wie auf Schienen und man hat in keinem Moment irgendein Gefühl von Unsicherheit oder sogar Angst. Und das sag nicht nur ich, sondern das bestätigen mir auch alle Crewmitglieder, die dabei waren.

Natürlich bedarf es dazu eines gepflegten und gut gewarteten Schiffs wie der ORION. Gleichzeitig mit uns fuhr in Las Palmas ein anderes Boot los, das eigentlich auch Kojencharter fahren sollte. Gottseidank fanden sich aber keine Kunden, die auf diesem Seelenverkäufer unter griechischer Flagge mitfahren wollten. Nachdem schon in Gran Canaria laufend repariert wurde, traute man sich schließlich zu dritt auf die Heimreise ins Mittelmeer. Neben vielen anderen kleineren Dingen funktionierte die Genua nicht richtig, das Sturmvorsegel war nicht am klappernden Kutterstag zu fahren und zu allem Überfluss fiel bei diesem Sturm auch noch die Maschine aus, ganz zu schweigen von kaputt gehenden Lenzpumpen und was weiß ich noch alles. Der arme Skipperkollege von mir musste schließlich einen Dringlichkeitsruf absetzen und sich am Morgen des Sturmtages von der Seenotrettung in den Hafen schleppen lassen. Nie würde ich auf einem solchen Kahn auch nur einen Meter fahren.

So, und nachdem wir uns alle erholt haben, wird dann der nächste Bericht die Fortsetzung meiner letztjährigen Liebeserklärung an die Blumeninsel Madeira

Auf neuen Pfaden


Nach einem sehr schönen Törn zurück von Lanzarote nach Gran Canaria (nur unterbrochen von einem Kurzaufenthalt auf Fuerteventura in Morro Jable – einen Hafen, über den man am besten den Mantel des Schweigens deckt)

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hatte ich am Wochenende den gewohnten Crew-Wechsel. Vorher hieß es Abschied nehmen von allen Bekannten in Mogán, denn die ORION kommt vorerst nicht mehr zurück, da ich ja nächste Woche mit dem Schiff ins Mittelmeer segele und vor her den letzten Crew-Wechsel in Las Palmas habe.

Meine neue Crew ist genial: Wir sind nur zu dritt, alle etwa gleich alt, und alles alte Hasen mit Sporthochseeschifferschein. Also für mich entspanntestes Segeln. Wir haben nochmal aus dem Bootsmannstuhl oben am Mast alle Beschläge und Splinte überprüft, damit auch alles sicher ist, wenn ich nächste Woche große mehrtägige Schläge über den Ozean mache.

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Dann haben wir nach kurzem Kriegsrat beschlossen, mal was Neues auszuprobieren, was bisher von uns so nicht gefahren wurde. Wir sind nachmittags um zwanzig nach fünf losgefahren, immer nach Westen, meistens mit gutem halben Wind, und waren am nächsten Mittag um halb eins auf der kleinsten und am seltensten angefahrenen Kanareninsel El Hierro.

El Hierro ist nur 269 Quadratkilometer groß und hat weniger als 10.000 Einwohner. Vom Massentourismus ist die Insel bisher weitestgehend verschont geblieben, zu abgelegen und zu mühsam zu erreichen ist sie. Viele Jahrhunderte galt sie als das westlichste Ende der bekannten Welt.

El Hierro wurde von der UNESCO im Jahre 2000 zum Biosphärenreservat erklärt. Überall auf der Insel sieht man, wie verantwortlich hier mit der Natur umgegangen wird. Zum Beispiel wird der komplette Stromverbrauch der Insel seit 2010 ausschließlich aus Windkraft gedeckt! Nun weht da ja auch durch den Passat genug und ständiger Wind, aber um dies Ziel zu erreichen, muss man noch mit anderen TGricks arbeiten: So wird zum Beispiel hier ein großes Pumpspeicherkraftwerk mit Windkraft betrieben. In Zeiten guten Windes, dessen Stromerzeugung den Verbrauch überschreitet, wird die Restenergie dazu benutzt, mittels elektrischer Pumpen Wasser in ein Hochreservoir zu pumpen.  Fehlt dann Wind und damit Strom, wird dieses Wasser in das Tiefbecken geschickt und treibt damit Turbinen zur Stromerzeugung an. Das kommt schon dem Perpetuum Mobile recht nahe und Deutschland könnte sich davon ruhig eine Schreibe abscneiden.

Die Ansteuerung der Insel ist recht beeindruckend. Man muss sich im Hafen rechtzeitig anmelden, damit man nicht den Fähren in die Quere kommt, die die Insel mit dem Festland verbinden. (Der Flughafen ist, wie Ihr noch sehen werdet, sehr klein und nur für den Insel-Nahverkehr geeignet.)  

  

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Der Hafen ist schön, modern und malerisch – nur hat er leider für den Yachtie keinerlei Infrastruktur. Es gibt keinen Strom, kein Wasser, keine Duschen – und vom und aufs Schiff kommt man nur mit Mühe, das es nur zwei Leitern gibt. Wer woanders liegt, so wie wir, muss sehen, wie er an Land klettert. Wir haben uns vom Poller herab eine Art Strickleiter selbst gebastelt, an der wir dann auf abenteuerliche Weise herauf und heruntergeklettert sind.

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Wir haben uns dann ein Taxi mit Fahrer gemietet, der uns dann in vier Stunden (für sehr wenig Geld) die schönsten Punkte seiner kleinen Insel gezeigt hat. Ich stelle hier einfach mal kommentarlos ein kleines Fotoalbum mit  Impressionen von El Hierro ein.

 

Unser Taxifahrer gab sich viel Mühe, uns alles zu zeigen und zu erklären – und wenn er es nicht wußte, stieg er aus und fragte jemand. Und das sofort – und wenn es im Dorf mitten auf der Kreuzung der “Hauptstraße” war.

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So wollten wir unbedingt einheimischen Wein kaufen. Also suchte er uns in einem Bergdorf einen Zwergwinter, bei dem wir dann zwei Flaschen Hierro-Wein kauften. Hslbtrocken und mit 14 Volumenprozent ist der eher nicht für das abendliche Besäufnis geeigent, aber so mal einer zwischendurch geht schon. DasWeingut war schon etwas abenteuerlich – und Flaschen gabs auch keine, es wurde erst für uns eine leere Colaflasche geholt.

 

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Zum Schluss noch zwei zwei kleinere Sehenswürdigkeiten. Zunächst der Flughafen, den man mühsam an eine der wenigen flachen Stellen hingequetscht hat. Es gibt aufgrund der kleinen Piste nur Verbindungen nach Gran Canaria, Teneriffa und der Nachbarinsel La Palma.

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Und dann darf man ja nicht vergessen, dass auch die Kanaren viele Jahre lang Ziel afrikanischer Immigranten waren, die als “boat people” auf dem Meer aufgegriffen wurden. Das Problem ist zwar kleiner geworden, weil dieser Flüchtlingsstrom sich andere Wege gesucht hat, aber das Auffanglager für diese armen Menschen gibt es immer noch.

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So, nächste Station ist jetzt La Palma, ein weiteres Paradies hier und die letzte Insel, die mir in meiner Kanarensammlung noch fehlt.

Wir sehen uns.

Meine Tochter ist schuld


Es dauert nicht mehr lang und ich gehe auf große Fahrt – und statt mich dafür vorzubereiten, sitze ich hier und kämpfe mit den Feinheiten der Arbeit, einen Blog einzurichten.

Warum? Meine Tochter Luana hat mich immer wieder auf interessante Segel-Blogs aufmerksam gemacht und gemeint „was die können, kannst Du doch auch, Papa. Und ich bin sicher, dass Du bei Deinen langen Törns Dinge sehen und erleben wirst, die andere Leute auch interessieren. Na gut, schaun mer mal, dann sehn mer schon, wie Beckenbauer sagen würde.

Wie fing alles an? Und heute? Das seht Ihr hier:

Bevor es am 30. März losgeht, habe ich ja noch genug Zeit zu schildern, wie es dazu gekommen ist, dass ich jetzt für mehrere Monate meinen Schreibtisch verlasse und mir den Wind auf dem Atlantik und im Mittelmeer um die Nase wehen lasse.

Angefangen hat alles Mitte der Sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Hamburg.  Während meine Eltern lieber Motorboot fuhren (was ich demzufolge damals auch tat – siehe Foto oben – und auch heute noch gelegentlich gerne mache), verschwand mein angespartes Taschengeld zusammen mit einem nicht unerheblichen Eltern-Zuschuss in meinem ersten Segelboot, das seinen Liegeplatz auf der Alster bei Rabitz an der Alten Rabenstraße fand. Die „Koralle“ brauchte keinen Trailer, sondern konnte sogar auf dem Autodach transportiert werden , der Mast bestand aus zwei zusammengeschaubten Teilen, was ihn bei Starkwind gelegentlich krumm werden liess mit den entsprechenden Folgen für den Trimm und die Luvgierigkeit. Aber was soll’s, es war MEIN BOOT!

Von diesem Bötchen (in dem ich bei meiner heutigen Figur wohl keine gute solche machen würde) bis zur 15m-Yacht ORION, die ich Ende des Monats als Skipper übernehmen werden ist es ein weiter Weg. Aber dazu später mehr.