Dem Segelwolf über den Atlantik folgen!


Liebe Freunde, morgen, also am Sonntag, den 19.11. 2017 startet um 14 Uhr deutscher Zeit, hier also um 13 Uhr, die größte Fahrtensegler-Rally der Welt. Zum 32. Mal fahren weit über tausend Segler über den Atlantik in die Karibik, bestens vorbereitet durch den World Cruising Club.

Man kann – wie im letzten Jahr mich und meine Reise sehr schön verfolgen. Entweder man geht in’s Internet auf www.worldcruising.com/ARC und klickt links auf den Fleet Viewer, dann nur noch mein Schiff “Estrella” suchen und schon könnt Ihr meine Reise verfolgen.

Wer’s lieber mobil hat, lädt sich bei Google Play oder im Apfel-Laden die Äpp “YB Races” herunter und hat auf seinem Handy oder Tablet ebenfalls alle Tracks der ARC.

Ich freue mich, wenn Ihr mich verfolgt. Am besten lasst es mich doch hinterher mal wissen – es ist sowieso immer etwas traurig, wenn man seinen Blog so in eine Art schwarzes Loch hinein veröffentlicht.

Also: Wie immer stay tuned , but this time tune to Estrella!

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Weiter längs der iberischen Küste


Tja, wie mein Freund und Mitsegler Markus prophezeite: “Ab jetzt fängt für Dich der Urlaub an!”

Recht hat er gehabt. Eine so tolle Crew wie auf diesem nächsten Stück von La Coruna bis Madeira habe ich selten gehabt: Alle konnten prima segeln, alle verstanden sich bestens und drei meiner Mitsegler hatten sogar eigene Schiffe. Zudem war auch noch der größte Teil Wiederholer, die schon mehrfach mit mir gefahren waren.

Der Wind war praktisch sofort weg, als ob es den Spuk der Biskaya nie gegeben hätte. Nur die Welle blieb uns noch einige Tage erhalten, weil die sich viel langsamer abbaut als der Wind.

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Es wurde auch langsam Zeit, sich als Teilnehmer der ARC zu outen (neben meinen Segelclubs CKA und TO), in den Marinas unterwegs die angebotenen Rabatte einzustreichen.

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Auch die in den Stürmen eingefangenen Schäden wurden begutachtet, und wo möglich, mit Bordmitteln repariert, wie z.B. diese Leine zum Setzen des Rollgroßsegels.

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Das Wetter wurde immer besser, wie man schön an dieser eingefangenen Abendstimmung sehen kann. Es mag ja kitschig aussehen, aber die Farben sind wirklich so!

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Von La Coruna fuhren wir zunächst nach Camarinas an der galizischen Küste, und am nächsten Tag weiter Richtung Vigo. Davon habe ich diesmal nichts fotografiert. Wenn diese wunderschöne Stadt interessiert, schaue in die älteren Ausgaben meines Blogs, es lohnt sich.

Weiter ging es dann zur ersten Station in Portugal, der alten und ehemals reichen Hafenstadt Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals.

Man fährt ein ganz kleines Stück den Douro-Fluss hoch und findet die Marina auf der gegenüber liegenden Seite, kurz vor der Brücke.

Unser erster Job bestand darin, unsere Schraube zu inspizieren. Im vorigen Hafen Leixoes erspürten wir einen kleinen Schlag und ab da vibrierte das Boot beim Fahren unter Maschine etwas. Was mein Mitsegler dann aus der Schraube zog, sieht man unten:

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Wir hatten uns ein Stück hartes Plastik, offensichtlich eine Verpackung von tiefgekühltem Fisch eingefangen, die unter Wasser im Hafenbecken herumschwamm.

In die Stadt kommt man mit zwei ungewöhnlichen Verkehrsmitteln.
Zunächst überquert man den Fluss mit einer uralten Fähre.

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Danach geht es dann mit einer noch viel älteren Straßenbahn weiter in die Stadt.

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Porto ist die zweitgrößte Stadt Portugals und absolut eine Reise wert. Ich stelle hier mal kommentarlos ein kleines Fotoalbum zusammen, dass ein bisschen dieser Schönheit zeigt:

Interessant sind vielleicht noch zwei Dinge:

Dieser Laden gleichzeitig ein Museum und eine Antiquitätenladen für alte Kameras. Wenn jemand so etwas mag, findet er hier sein Paradies. Es gibt kein altes Kameramodell, das hier nicht mit mehreren Exemplaren vertreten ist.

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Der Laden heißt so schön Maquinas de outros tempos (Geräte aus einer anderen Zeit). Ich habe so etwas noch nie gesehen.

Die zweite Sehenswürdigkeit ist ein Park um die Ecke, wo viele dieser absurden Plastiken in vielfacher Ausbildung der immer wieder gleichen Grundidee herumstanden.

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Weiter geht’s beim nächsten Mal.

Ich schreibe dies nachts um zwölf wenige Stunden vor dem Start der Atlantic Rally for Cruisers in Gran Canaria, die mich dann in die Karibik nach St. Lucia und Martinique führen wird. Der Rest mit Lissabon und Madeira wird deshalb noch warten müssen, da ich dringend ins Bett muss (meine ganze Crew schläft schon).

Deshalb verabschiede ich mich jetzt für die nächsten vier Wochen, da ich draußen auf dem Atlantik natürlich kein Netz und keinen Hotspot habe. Alles andere folgt dann kurz vor Weihnachten.

So stay tuned!

Die eilige Reise geht weiter


Nehmen wir den Faden des letzten Blogs wieder auf: Auf  der einen Seite habe ich es eilig, weil ich ja rechtzeitig in Gran Canaria ankommen muss und außerdem eine neue Crew in La Coruna auf mich wartet. Auf der anderen Seite muss ich natürlich seemännische Vorsicht walten lassen und darf mich durch Termine als Skipper keinesfalls unter ungebührlichen Druck setzen lassen. Dieses Spannungsfeld wird die nächsten Tage und Wochen meiner Reise bestimmen. Es ist halt schon etwas spät im Jahr und die vorherrschende Westwind-Wetterlage macht es auch nicht einfacher nach Westen zu kommen. Da hatte mein Kollege Wolfgang es letztes Jahr viel einfacher: Die ganze Zeit nur ungewöhnlichen Ostwind –  gerade zu ein Genuss im Vergleich zu meiner Reise.

Hier mal ein Bild aus meinem Windvorhersageprogramm, das mein Problem klar aufzeigt:

Wetterkarte 
Seht Ihr den Knubbel da rechts in der Mitte? Das ist Ophelia, genau nördlich von meinem geplanten Kurs. In dem Ding stecken Windgeschwindigkeiten von 65 Knoten oder über 120 km/h drin. Es ist also selbstredend, dass ich abwarten musste, bis der Kerl über Irland und Schottland weitergezogen war. Ich hab dann mit Windstärke 6-7 im englischen Kanal trotzdem noch die letzten Ausläufern mitbekommen.
Vorher sind wir aber von Boulogne-sur-mer über Nacht nach Le Havre gefahren. Ach ja, dies noch:  Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt, erinnert sich vielleicht an diese Windkunst an der Hafenausfahrt von Nieuwport:

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Hier beginnt dann auch der Teil der Reise, in dem der Tidenhub, d.h. die Höhendifferenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser immer größer wird, und die wechselnden Wassertiefen und Gezeitenströme immer wichtiger für meine Navigation werden.

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Noch ein kleiner Schnappschuss vom Auslaufen, bevor wir im Text weiter nach Le Havre gehen.

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In Le Havre selbst habe ich nicht viel fotografieren können. Ich war ziemlich beschäftigt mit dem Einkauf von Ersatzteilen, einigen Kleinreparaturen und dem Kauf und Einbau neuer Batterien, da die alten mir für die weitere Reise zu schwach waren. Außerdem ist die Stadt fast ohne ältere Gebäude, da sie als deutscher Marinestützpunkt im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombt worden war. Alles bis hin zur großen Kathedrale ist neu erbaut. Dieser neue Städtebau gilt neben Brasilia als große städtebauliche Leistung und ist UNESCO Weltkulturerbe. Ich kenne ja beide Städte und muss sagen: Kein Vergleich!

Le Havre ist ja ein großer Containerhafen. Deshalb fand ich zumindest das Kunstwerk auf dem Platz, der den Hafen von der Stadt trennt, mal was außergewöhnliches:

Le Havre Kunstwerk 

Dann ging es an die weitere Reiseplanung. Für das nächste Stück zur Kanalinsel Guernsey gab es vielerlei zu bedenken: Zum einen ist die Victoria Marina in St. Peter Port auf Guernsey ein Tidenhafen mi einem Sill, was bedeutet, dass ich ihn bei meinem Tiefgang nur in einem Zeitfenster von zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Hochwasser anlaufen kann. 30 Meilen davor liegen zwischen der Insel Alderney und dem französischen Cap de la Hague die Alderney Races, eine Enge, die Tidenströme von bis zu 4-5 Knoten produziert. Da sollte man nur durch, wenn das Wasser in der richtigen Richtung fließt. Und das alles nach einer Reise von 80 sm über das freie Wasser, das z.T. gesegelt wird und z.T. unter Maschine. Also reichlich Faktoren, die man in seine Fahrtplanung mit einbeziehen muss. Das Ergebnis dieser Berechnungen führte dazu, dass wir einige Stunden länger in Le Havre blieben und erst Abends um sieben Uhr ausliefen.

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Wie so oft, klappte der Plan nicht ganz, wir waren über zwei Stunden zu spät am Cap de la Hague. So etwas hatte ich aber einkalkuliert, sodass wir exakt zu Hochwasser  problemlos in St. Peter Port auf Guernsey einliefen.

Ich bin drei Wochen später dran als letztes bzw. vorletztes Jahr. Man merkt das z. B. daran, wie leer die Marina schon ist.

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Ursprünglich wollte ich wegen der Orkanausläufer Schutz suchen in meinem Lieblingshafen Lézardrieux. Der liegt 20 km einen selbst bei Niedrigwasser schiffbaren Fluss hoch und ist völlig geschützt. Da der Orkan aber dann doch etwas nördlicher vorbeizog, entschlossen wir uns, gleich von Guernsey weiter nach Westen bis Roscoff zu fahren, um nicht noch einen Tag zu verlieren. Die gute Nachricht: Um sieben Uhr morgens liefen wir aus und zwei Stunden später zog die Kaltfront durch, sodass wir herrlichstes Rückseitenwetter zum segeln hatten.DSC01936

Die schlechte Nachricht: Der Wind drehte auf Südwesten und durch das Kreuzen wurden aus siebzig Seemeilen dann 125 Seemeilen. Segelmäßig war das  mit sechs Windstärken am Wind  ein sehr schöner Segeltag bzw. Segelnacht.

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Am nächsten Morgen um fünf Uhr liefen wir dann in Roscoff ein.

Hier musste ein Mitsegler leider aussteigen und zurück fahren, da ihn die Probleme im Geschäft leider nicht losließen.

Vom Deutschen Wetterdienst holte ich eine individuelle Wetterberatung für die Biskayaüberquerung ein. Ich habe ein gewisses Zeitfenster mit wenig Wind und dann kommt gegen Ende der Woche schon die nächste Starkwindzone an. Wir entschließen uns also, noch am selben Abend um fünf Uhr weiterzufahren und die Biskaya anzugehen. Wohl wissend, dass wir wahrscheinlich die ersten beiden Tage komplett motoren müssen und am dritten Tag kräftigen Wind auf die Nase bekommen.

Zum Zeitpunkt wo ich dies schreibe, sind wir bereits  zwanzig Stunden unterwegs, haben 120 Seemeilen hinter uns und nähern uns langsam dem Kontinentalschelf, wo der Meeresboden auf kürzester Strecke von ca. 120 Meter auf an die 4.000 Meter Wassertiefe abfällt.

Ich bin gespannt, was mich auf diesem Abschnitt noch erwartet. Den Rest werde ich wohl erst in La Coruna schreiben können

-o-o-o-

Uiuiui – das war ein Ritt!

Ich bin ja nun schon ein paar Mal über die Biskaya gefahren, aber das war die bisher übelste Überquerung für mich…

Wie schon erwartet, haben wir mit über 50 Stunden unter Motor begonnen, da entweder überhaupt kein Wind war oder er direkt von vorn kam. Es erwartete uns der letzte schöne Sonnenuntergang für einige Zeit:

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Aber dann:
Am Ende des zweiten Tages frischte es wie erwartet heftig auf. Wir fuhren – wie immer genau gegenan – mit Windstärke 6-7 im dritten Reff. Die Welle baute sich langsam auf 3-4 Meter auf. Dazu regnete es zwischendurch immer wieder. So ging es dann die ganze Nacht durch.

Danach drehte der Wind etwas, sodass wir ca. 80 Seemeilen gut in Zielrichtung vorankamen. Er ließ auch etwas auf 4-5 nach, was für mich ja schon eine Erholung war. Die letzten 24 Stunden waren dann extrem heftig. Der Wind kam wieder mal genau von vorn, sodass wir die ganze Strecke kreuzen mussten. Er frischte auf auf eine volle Windstärke 7, d.h. der Wind wehte konstant mit über 30 Knoten. Zwischendurch kamen immer wieder Regenböen mit 9 Beaufort obendraufBlitz.

Fast 48 Stunden mussten wir das auch noch alles zu zweit fahren, weil unser drittes Crewmitglied unter extremer Seekrankheit litt und ein Totalausfall war. 24 Stunden lang wechselten wir uns alle zwei Stunden am Ruder ab, zumal auch der Autopilot ausgefallen war. Ich bin vier Tage nicht aus den Klamotten gekommen und alles an Bord war klamm und nass.

Am Samstag morgen um halb neun liefen wir dann endlich in La Coruna ein, wo wir von der neuen Crew schon erwartet wurden. Wir hatten das geschafft, womit viele nicht mehr gerechnet hatten: Ich habe Crew und Schiff pünktlich zum Ziel gebracht.

Fazit: Es war tierisch anstrengend. Hervorzuheben ist, dass Schiff und Crew alles prima überstanden haben. Zu keinem Zeitpunkt hatte einer von uns Angst oder das Gefühl, es würde gefährlich. Das würde ich als Skipper auch nie tun. Allerdings müsst Ihr verstehen, dass es von diesem Teil der Reise keine Fotos gibt – dafür hatte ich beim besten Willen keine Zeit und keinen Kopf.

Platt waren wir aber schon, als wir ankamen. Deshalb ein Riesenkompliment an die neue Crew, die uns erst einmal schlafen schickte und dann das Schiff austrocknete und alles putzte. Eine solche selbstverständliche Hilfsbereitschaft habe ich noch nicht erlebt. Ein wenig stolz bin ich schon darauf, dass das alles Wiederholer waren, die früher schon einmal mit mir gefahren waren und jetzt wiedergekommen sind.

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Und jetzt hat für mich ein Erholungsteil begonnen. Herrlichstes Wetter mit Sonnenschein, wenig Wind, Abends gute Restaurants (nach fünf Tagen ohne eine wirkliche warme Mahlzeit…) und eine tolle Crew von Seglern mit sehr viel Erfahrung, die mir das Leben an Bord leicht machen. Heute und gestern hab ich erst einmal viel geschlafen.

Jetzt fahre ich erst einmal die ganze spanische und portugiesische Küste herunter mit dem Ziel, am kommenden Freitag in Lissabon zu sein.

Aber darüber berichte ich dann das nächste Mal.

So stay tuned.

Der langen Reise erster Teil


Moin Freunde,

seit Ende September bin ich wieder auf Langfahrt unterwegs. Die Reise führt mich diesmal von Rügen über Kiel, den Nordostseekanal, die Nordsee, den englischen Kanal, die Biskaya,längs der spanischen und portugiesischen Atlantikküste bis Lissabon, dann weiter über Madeira, La Palma, Teneriffa nach Gran Canaria und von dort mit der ARC wie letztes Jahr nach St. Lucia in der Karibik. Wenn alles gut geht, bin ich dann am 23. Dezember wieder  zuhause – wenn nicht, gibt’s Ärger mit meiner besseren Hälfte Flirten - FrauMüdes Smiley.

A propos bessere Hälfte: Die hat mich zum Abschied von Rostock über Kiel bis Brunsbüttel begleitet, ebenso wie meine Tochter, die schon auf Rügen zugestiegen war und mit mir allein dieses große 15m-Schiff unter Segeln die 70 Meilen nach Rostock gefahren hat. Daumen hoch

In Brunsbüttel stieg dann mein Co-Skipper Marcel zu, der mich bis Gran Canaria begleiten wird. Als erstes haben wir einmal die für so eine Reise etwas popelige Nationale durch eine anständigerer Größe ersetzt. Auf der Ostsee kann ein Charterboot sicher damit fahren, aber auf den Atlantik gehört für mich bei einem Boot dieser Größe eben etwas anderes.

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Über die ersten Etappen  bis Kiel gibt’s nicht viel zu berichten. Normales Ostseesegeln eben. Leider war das Wetter nicht allzu toll, aber meine Hoffnung ist ja, das es auf meiner Reise von Woche zu Woche wärmer wird…

Im Kiel Kanal klarte es etwas auf, sodass wir eine halbwegs schöne und ruhige Überfahrt bis zu unserer Übernachtungsstelle in Brunsbüttel hatten.

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Dort stiegen dann Frau und Tochter aus.

Aber dann…

Am nächsten Morgen kamen die ersten Ausläufer der Sturms auf uns zu, der in den nächsten Tagen für Chaos in ganz Nord- und Ostdeutschland sorgen sollte. Ich handelte mir  schon meine erste Planverspätung ein, weil ich natürlich entschied, bei dem dräuenden Sturm mit Orkanböen nicht in die Nordsee zu laufen,sondern nur einmal 17 sm quer über die Elbe nach Cuxhaven, weil wir da besser liegen und die Einkaufsmöglichkeiten besser sind.

Diese kurze Querung mit der neuen Crew von zwei Mann machte ich sicherheitshalber unter Maschine, da am ersten Tag Windstärke 8 für die Leute ja nicht so lustig ist. Um so größer war dann mein Erstaunen, als uns die “Wappen von Bremen”, eine der bekanntesten deutschen Yachten, cool unter Segel überholte und trotz gegenan kreuzens immer an unserem Bug vorbei dennoch schneller in Cuxhaven war als wir.

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Die “Wappen von Bremen IV” ist eine der bekanntesten deutschen Hochseeyachten und eine der drei Yachten der Segelkameradschaft “Das Wappen von Bremen”, die sich seit 1934 um das Hochseesegeln in Deutschland verdient machen. Die Yacht ist aus Aluminium, 16,80 m lang und hat zehn Schlafplätze. Seit Jahrzehnten machen die die Yachten tolle Reisen um die Welt, um die selbst ich als erfahrener Skipper die Kollegen beneide. Letztes Jahr ging’s zum Beispiel zur Olympiade nach Rio.

Die Jungs und Mädels sind ja eine ganze Weile vor mir her gekreuzt. Es war eine absolute Freude, die Seemannschaft an Bord z.B. in der Schleuse zu beobachten und mit welcher Präzision und Schnelligkeit die Crew bei den Wenden funktionierte. Chapeau –  und das alles bei richtig viel Wind.
Nicht dass wir uns falsch verstehen: Auf einer Bavaria mit Rollgroß und einer Dreimanncrew, die am ersten Tag zusammen ist, wollen und können wir uns damit nicht vergleichen. Aber in den nächsten Tagen bekomme ich meine Crew auch noch vernünftig hin.

In Cuxhaven war dann aber erst einmal Endstation. Der Sturm düste heftig über uns hinweg, an ein Rausfahren war nicht zu denken, das wäre lebensgefährlich geworden. Hier mal ein paar Bilder aus dem Yachthafen, als es heftig anfing zu blasen:

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Beachtet mal, wie schräg die Boote am Steg liegen!

Es ging da ziemlich über zu kehr. Im Laufe des Vormittags erschienen alle möglichen Eigner –  teilweise in ihren Büroanzügen – um zusätzliche Leinen auszubringen und alles zu sichern.

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Ich selbst hatte bei uns an Bord fünf (!) Vorleinen und Vorsprings ausgebracht (und eine Achterleine). um das Boot am Steg zu halten. So etwas in einem Hafen hab auch ich noch nicht erlebt.

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Zum Schluss einfach noch ohne Worte einfach mal am Liegeplatz den Windmesser abfotografiert:

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Und das ist der Blick aus unserem Cockpit über die Hafenmauer. Und draußen tobt die Elbe…

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Auf dem nächsten Teilstück hatte ich wieder das Problem, das mich immer trifft, wenn ich mit großem Schiff und kleiner Crew unterwegs bin: Es bleibt einfach keine Zeit zum Fotografieren. Deshalb gibt es vom üblen Wetter, das wir bezwangen, leider keine Fotos. Aber Geduld, ich arbeite an Plänen, das für die Zukunft zu ändern und Euch spannende Bilder zu liefern. Auf dem Segelwolf-Blog stehen nächstes Jahr größere Veränderungen bevor. Seid gespannt!

Am Tag darauf war der Wind soweit abgeflaut, dass ich das Auslaufen verantworten konnte, schließlich fahren wir ja ein großes und mit über 18 Tonnen auch schweres Schiff. Die Hafenmeisterin erklärte uns zwar für leichtsinnig und verrückt, aber das sind wir nicht. Ich bin schon vorsichtig und gehe für Besatzung und Schiff keine unnötigen Risiken ein. Aber mit einem gut vorbereiteten Schiff, einer vernünftigen Crew und einem erfahren Skipper kann man durchaus auch Starkwind abreiten.

Und das haben wir getan! In der deutschen Bucht erwarteten uns Winde zwischen 6 und 8 Beaufort. Schon stärker, aber mit dem großen Schiff kein Problem. Meine Crew fühlte sich zu keinem Zeitpunkt unsicher, wie sie mir bestätigte. Es bestätigte sich aber auch hier wieder der alte Spruch, dass die Schiffe mehr aushalten als die Besatzung: Einem Crewmitglied war so gründlich schlecht, dass er bis den Helder keine große Hilfe war. BlitzTrauriges Smiley

Und nach den Helder mussten wir. Bei solchem Wetter gibt es in den ganzen deutschen und holländischen friesischen Inseln praktisch keine Alternative. Das einzige wäre Borkum gewesen, aber mit viel Welle im Seegatt und ca. 30 Seemeilen Umweg lockte mich da auch nicht gerade viel. also durch.

Und jetzt sind wir schon wieder weiter – bei so einer Überführung habe ich es ja eilig. Also eine Nacht von den Helder in Holland nach Nieuwport in Belgien durchgesegelt, Dort in der zweiten Nacht gegen Mitternacht angekommen. Am nächsten Vormittag weiter nach Boulogne-sur-mer in Frankreich, Ankunft ebenfalls nachts um zwölf. Dort stieg dann unser vierter Mitstreiter Bernd ein, was mich ein wenig entlastet. Und jetzt sind wir schon wieder unterwegs auf einem Nachtschlag nach Le Havre.

Vorhin habe ich mit dem Deutschen Wetterdienst telefoniert. Damit ist meine weitere Routenplanung Makulatur, die vorsah, am kommenden Sonntag von Guernsey aus die Biskaya-Überquerung Richtung La Coruna zu starten. Leider kommt uns da ein heftiges Sturmtief in die Quere, das wohl Wellenhöhen von 7 Metern und Böen bis 11 Beaufort bringen soll. Das warten wir lieber ab. Aber alles hat seine guten Seiten: Dadurch habe ich doch noch Gelegenheit, einige meiner Lieblingsplätze in Frankreich anzulaufen. Wie es uns da erging, lest Ihr dann im nächsten Blog.

So stay tuned.

Durch den Kanal nach Hause


Von dem Ritt über den Atlantik mit ganz kleiner Mannschaft von den Azoren nach Brest gibt es leider so gut wie keine Fotos. Ich war entweder zu müde oder zu beschäftigt zum Fotografieren. Probleme hatten wir ein paar: Aufgrund eines unglücklichen Vorfalls auf den Azoren war eine unser Batterien defekt, sodass wir laufend zu wenig Strom zur Verfügung hatten. In diesem Fall kann man zwar die Maschine laufen lassen, um mittels der Lichtmaschine die Batterien zu laden, aber dann steht man vor der Frage: Hab ich lieber keinen Strom oder lieber keinen Diesel mehr?Flirten - Mann

Zusätzlich riss und bei 7 Beaufort drei Tage vor Brest noch das Großsegel, sodass wir nur noch im zweiten Reff fahren konnten. Das war eher weniger schlimm, weil wir eh genug Wind hatten.

In Brest angekommen, musste dann erst einmal anständig an Land gespachtelt werden. Ich bin ja eher sonst nicht der Hamburger-Freund, aber diese erste Mahlzeit an Land hatte schon was…

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In Brest stieg ein junger Mann aus und zwei Mädels ein, sodass ich den Rest der Tour mit sozusagen mit einem Dreimädelschiff fuhr, hat aber bestens geklappt.

Nach zwei Jahren fuhr ich auch endlich wieder einmal nach Lezardrieux, weil die Flussfahrt bei einem Tidenhub von ca. 7 Metern immer wieder spannend und landschaftlich beeindruckend ist. Besonders die Seezeichen sind eine Reise wert.

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Vorher musste frau aber erst seefest werdenZwinkerndes Smiley

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Hier ein paar Bilder der Flussfahrt bei relativ niedrigem Wasserstand. Ihr könnt Euch vorstellen, dass man schon genau im Fahrwasser bleiben muss, wenn bei Hochwasser alle diese Felsen unsichtbar unter Wasser sind, sonst rummst es ziemlich.

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Kalt war es leider auch ziemlich, da wir inzwischen wieder in nördlicheren Gefilden angekommen waren. (Sozusagen der Vorbote des Nicht-Sommers, unter dem ich den Rest der Zeit bis heute in der Ostsee leiden durfte…)

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Ca. 20 Km flussaufwärts kommt man dann zur Marina von Lezardrieux. Diese besteht aus zwei Teilen: Der äußere ist ein Tidenhafen mit Schwimmstegen, die zwischen Niedrigwasser und Hochwasser mehrere Meter auf und ab fahren:

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(Man beachte die Werbung für das Blues-Festival –leider waren wir einen Tag zu früh da)

und dem inneren Hafen, der nur bei hohem Wasserstand anzulaufen und sonst vom Fluss abgesperrt ist:

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Ihr seht unten in der Einfahrt die Stufe. Erst wenn das Wasser noch midestens drei Meter höher als auf dem Foto ist, schaltet die Ampel auf Grün und man kann zwischen diesen Stangen (die Fahrwassertonnen sind) in  den Hafen hineinfahren. Heraus kommt man natürlich auch erst wieder bei Hochwasser.

Wir  hatten es aus Zeitgründen ziemlich eilig, nach Hause zu kommen, deshalb fasse ich mich hier auch kurz. Wer über die angelaufenen Häfen mehr sehen möchte, geht einfach in meinem Blog zwei Jahre zurück und findet ausführlichere Berichte mit viel mehr Fotos.

Unser nächster Stopp war St. Peter Port, die Hauptstadt der Kanalinsel Guernsey, über die ich ja auch schon mehrfach berichtet habe. Deshalb hier auch nur ein neues Bild des Tidehafens, in den man bei ca. 10 Metern Tidenhub auch nur bei Hochwasser hineinkommt.

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Guernsey liegt ja eigentlich nicht im englischen Kanal, obwohl man sie “Channel Island” nennt, sondern ziemlich dicht vor der französischen Küste.

Deshalb ging es natürlich auch jetzt in Frankreich weiter. Wir liefen eine sehr nette französische Kleinstadt an, die ich noch nicht kannte: Fécamp. Mit einem größeren Boot als unsere gute “Paula” wäre das nicht ganz so einfach gewesen, da es dort echt eng und flach ist. Wir haben aber dort einen sehr schönen Abend verbracht und gut gegessen.

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Zwei Dinge sind mir in Fécamp besonders im Gedächtnis geblieben:

Zum einen unser Restaurant, das auf den Vorlegepapieren die Wartezeit für das Essen mit Sudokus versüßte.

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Und zum anderen ein wahrlich beeindruckendes Antiquitätengeschäft – oder wie man diesen ´Laden sonst nennen soll…

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Von dort ging es dann weiter den Kanal hinauf über Boulogne-sur-Mer nach Nieuwport in Belgien. Der Wind wurde leider immer weniger, sodass wir große Strecken motoren mussten. Außerdem kamen wir langsam zeitlich in die Bredouille, sodass wir beschlossen, von Nieuwport direkt bis zum Nord-Ostsee-Kanal durchzufahren, und nur einen kleinen Einkaufsstopp von drei Stunden in den Helder zu machen. Dadurch kamen wir dann noch in den Genuss von wunderschönen Sonnenunter- und Aufgängen auf See.

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Wie man sieht, wurde ich von den Mädels prima versorgt. Ich erinnere mich gerne an diese äußerst leckeren Pfannkuchen in größeren Mengen:

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Spannend war es, unglücklicherweise nachts um zwei genau vor der Wesermündung in dicken Nebel mit Sichtweiten von unter 100 Metern zu geraten. Ich bin da ja nicht in der sicheren Küstenverkehrszone, sondern muss die Haupt-Schifffahrtslinie kreuzen, auf der alles fährt, was in die Weser oder die Jade will oder da herauskommt. Ich habe mich per Funk bei der Verkehrszentrale “German Bight Traffic” gemeldet und laufend meine Position durchgegeben, da trotz genauer Angabe die Radar-Reflektoren (ich hatte sogar zwei davon in der Takelage hängen) es der Radarstation nicht ermöglichten, mein Boot im Radar zu sehen. Aber alles ging gut, es war gottseidank in dieser Nacht kaum Verkehr unterwegs.

Als wir dann in die deutschen Gewässer kamen, habe ich als erstes den Kegel für Maschinenfahrt unter Segel gesetzt, um nicht wieder in eine Falle zu laufen. Meine regelmäßigen Leser wissen: Letztes Jahr durfte ich auf Rügen dafür ein 35-Euro-Knöllchen bezahlenVor Wut kochen.

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So langsam kam die Elbmündung näher, damit auch der Verkehr mit dicken Pötten und die Luft roch nach zuhause.

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Da wir nach der durchfahrenen Nacht jetzt mittags bereits vor Brunsbüttel waren, beschlossen wir, doch noch durchzuschleusen, auch wenn wir wussten, wir schaffen den Kanal heute nicht mehr. Sportboote dürfen dort im dunkeln nicht fahren).

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Immerhin kamen wir noch bis zur Gieselauschleuse, fast auf halber Strecke, wo wir geradezu idyllisch übernachteten, wenn auch ohne Strom und neues Frischwasser.

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Am nächsten Morgen recht früh ging es dann weiter.

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und gegen Mittag kamen wir dann so langsam Richtung Kiel. Der Eigner (dessen Tochter ich an Bord hatte) kam uns mit dem Auto entgegen, um uns schon vorher zur Begrüßung zuzuwinken.

Für die Ankunft bereitete ich das Schiff dann nach alter Seglertradition vor: In die Backbordsaling werden alle Gastlandflaggen der besuchten Länder gehängt. Eine fehlte leider, weil ich keine spanische Flagge mehr hatte.

 

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Damit endete dann eine Reise, die mich in sieben Wochen über 3.214 Seemeilen hohe See führte. Das ist weiter als die Strecke von den Kanarischen Inseln in die Karibik, die ich im letzten Winter fuhr. Ich habe viele interessante Gegenden kennengelernt, seemännisch viel erlebt und habe nicht zugenommen (auch ein Erfolg Daumen hoch)

Den Sommer über war ich sehr viel auf der Ostsee unterwegs, teils Einwochentörns mit Gästen ab Rügen oder Kiel, und dazu diverse Kurse Sportbootführerschein und Sportküstenschifferschein, also das ganz normale Sommergeschäft, über das es nicht so viel zu berichten gibt.

Aber Ende September geht es dann wieder los auf ganz große Fahrt: Es steht der Törn Rostock – Gran Canaria – St. Lucia an, also wieder einmal reichlich Hohe See, von der ich dann rechtzeitig zu Weihnachten am 23. Dezember wieder zurück bin. Davon gibt es scher wieder viel zu berichten.

So stay tuned!”“

Wieder einmal Mitsegler gesucht


Liebe Segelfreunde,

für zwei hochinteressante Törnabschnitte suche ich wieder einmal Mitstreiter, denen ich u.U. sogar ein interessantes finanzielles Preisangebot machen kann:

  1. 07. Oktober  – 21. Oktober
    den Helder – La Coruna.
    Wir fahren durch den Englischen Kanal, erleben interessante Tidehäfen auf der französischen und englischen Seite und überqueren anschließend in einem vier- oder fünftägigen Abschnitt die Biskaya.
  2. 21. Oktober – 04. November
    der nächste Abschnitt führt uns die spanische und portugiesische Atlantikküste entlang. Neben vielen romantischen kleinen Häfen (mit den leckersten Fischrestaurants Europas!) entdecken wir den Tejo und Lissabon, bevor wir dann zu einem fünftägigen Hochseeschlag nach Madeira aufbrechen, wo dieser Törn endet.

Wer Lust hat und mehr wissen will, meldet sich bitte bei mir über die Euch bekannten Wege oder über segelwolf@gmx.de.

Ich freu mich auf Eure Kontakte!

Endlich angekommen!


Nach 1.309 Seemeilen heftigen Hochseesegelns auf dem Atlantik sind wir heute Nacht um ein Uhr von den Azoren kommend bei Windstärke 6 und strömendem Regen den ganzen Tag endlich in Brest in der Bretagne angekommen. Dann erst einmal ausgeschlafen bis elf Uhr und jetzt geht’s uns wieder gut!

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Wir hatten teilweise schon ziemlich übles Wetter, da uns im letzten Drittel der Strecke, d.h. am Ausgang der Biskaya, die Ausläufer einer anständigen Sturmtiefs erwischten, die uns bis 8 Bft. Wind und eine Wellenhöhe von bis zu fünf Metern brachten. Eine stramme Leistung für so ein kleines Schiffchen von 35 Fuß!

Leider ist uns bei einem Reffmanöver bei ziemlich viel Wind das Großsegel gerissen, sodass wir ab dann nur noch im zweiten Reff fahren konnten. Hat aber kaum gestört, da wir bei dem Wind das sowieso eingebunden hätten Bin gleich zurück.

Zum ersten Mal seit langem also mal wieder an Land gegessen. Da musste es natürlich der Maxiburger mit der doppelten Fleischportion sein.

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… und noch einen Käsekuchen mit Karamelsauce hinterher, dann ging’s mir wieder gut!

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Viel berichten werde ich leider nicht können über dies Teilstück. Bei nur drei Mann Crew und viel schlechtem Wetter gibt es naturgemäß s gut wie keine Fotos. Aber es kommt ja auch noch der letzte Teilbericht von den Azoren.

Morgen wird erst einmal das Segel repariert und das Schiff aufgeräumt, neue Verbraucherbatterien muss ich auch noch einbauen, und dann geht es weiter durch den Énglischen Kanal bis nach Kiel.

So stay tuned!