Der Segelwolf ist noch unterwegs


Einiges für mich los gewesen in den letzten Monaten. Leider hat es sich nie ergeben, viele Fotos zu machen- und ein Blog ohne Fotos ist wie ein Fisch ohne FahrradZwinkerndes Smiley

Es ging im Mai los mit zwei sehr schönen Wochen in Kroatien, wo ich ab Trogir einen Katamaran für Ulli Baussmann (www.pagomo.de) gefahren habe.

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In der ersten Woche war ich mit einer sehr lustigen Truppe von IT-Menschen aus Darmstadt unterwegs, die mit mir eine Art Betriebsausflug machten. Wir hatten wenig Wind und viel Spaß. Besonders groß war die Vorfreude auf den Bundesliga-Aufstieg von Darmstadt 98, da wir doch sehr überzeugte Fans an Bord hatten.

Ulli Baussmann verfügt verfügt seit dieser Saison über drei fast identische Katamarane, die allerdings in verschiedenen kroatischen Häfen liegen. Wir haben es aber geschafft, auf der Insel Hvar ein “historisches” Zusammentreffen der drei Boote zu organisieren, die dort dann alle nebeneinander lagen.

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… und Ulli Baussmann, derChef von www.pagomo.de:

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Die zweite Woche war für mich besonders schön, da ich nicht nu mit guten Freunden, sondern vor allem auch mit meiner Frau unterwegs war. Leider war das Wetter viel zu schlecht für die Jahreszeit.

Danach war ich nach einem Tag Pause wieder einmal in Neustadt an der Ostsee, um für Well Sailing einen ISAF-Kurs zu skippern, also einen Kurs, indem es intensiv um Notfälle an Bord wie z.B. Feuer, Wassereinbruch, Aufgabe des Schiffs und Einstieg in die Rettungsinsel usw. ging. Leider habe ich die interessantesten Fotos nicht. Ich bin in einer Art Ganzkörperkondom mit Rettungsweste ins Wasser gestiegen und habe mich bei 13 Grad Wassertemperatur  “retten” lassen, indem man mich in ein Bergenetz schleppte und mit der Winsch und dem Spinnakerfall hochzog. Ein Kollege im Kurs hat das fotografiert und mir die Bilder versprochen, leider habe ich sie nie bekommen.

Trotzdem ein paar Impressionen von unserer Arbeit.

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Arbeit mit der Rettungsinsel, die gerade über Bord ging und aufgeblasen wurde.

 

 

 

 

 

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Das Besteigen dieser Inseln ist nicht einfach – selbst bei gutem Wetter.

Dazu kamen dann noch Übungen zur Leckbekämpfung, Feuerlöschübungen unter Anleitung der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt, abfeuern von Signalraketen und vieles interessantes mehr.  Ein solcher Kurs ist Seglern wirklich sehr zu empfehlen.

Bevor es im August dann wieder auf Große Fahrt geht, gebe ich zur Zeit in Kiel mehrere SKS-Praxiskurse, fahre mit einer Familie gerade durch die wunderschöne dänische Südsee und dann kommen endlich wieder einmal ein paar Wochen in Ruhe zuhause. Auch darauf freue ich mich natürlich schon riesig, und meine Frau, die Kinder und vor allem die Enkel natürlich auch.

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neues Land–neues Boot


Jetzt also mal einen Katamaran. Und dann in einem Revier, das ich noch nicht kannte.

Aber der Reihe nach:

Vor einiger Zeit lernte ich Ulli Baussmann kennen, der mit seiner PAGOMO (oder genauer gesagt, seinen PAGOMOS) Kroatien unsicher macht. Daraus entstand die Idee, das Katamaransegeln kennen zu lernen und zukünftig bei Törns zu kooperieren. Also machte ich mich am Samstag vor einer Woche auf den Weg nach Split und von dort aus weiter nach Skradin in die ACI Marina

ACI Marina in Skradin

Zu fünft bestiegen wir den 40 Fuß Katamaran PAGOMO II, um auf einem Mitsegeltörn zu erkunden, ob man in diesen Gewässern so früh im Jahr schon Spaß am Segeln haben kann.

Das Fazit vorneweg: Man kann! Es ist zwar noch ein bisschen frisch (so 12-14 Grad meistens), aber das hat man in der Ostsee ja auch schon mal), aber Wind hatten wir reichlich (davon später mehr), die Landschaft ist schön und abwechslungsreich und die Tatsache, dass alles noch mehr oder weniger geschlossen ist, kann man nicht nur als Nachteil, sondern auch als Vorteil sehen. Seglerisch war es jedenfalls ein toller Törn.

Das hier ist die PAGOMO II mit Yours truly:

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Wer genaues über das Schiff und die Törns nachlesen will, geht auf die Pagomo-Webseite, dort findet man auch alle Fotos unseres Törns, wenn man mehr sehen mag, als ich hier zeigen kann.

Skradin liegt am Fluss Krka, den man erst eine Weile hinunter fahren muss, bin man in die Inselwelt der dalmatinischen Adria kommt.

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Man kommt unter beeindruckenden Brücken durch

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bis man dann an die Flussmündung nach Sibenik kommt, wo wir nicht nur noch ein Crewmitglied aufnahmen, sondern uns auch noch mit frischem Fisch versorgten.

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Am Anfang des Törns hatten wir zumindest zeitweise noch so wenig Wind, dass wir den neuen Spinnaker ausprobieren konnten. Für einen alten Monohull-Fahrer (also jemand, der auf Einrumpf-Booten groß geworden ist) ist es ganz erstaunlich, dass man einen symmetrischen Spinnaker einfach so mit vier Leinen (zwei Schoten und zwei Achterholer) fahren kann, ohne einen Spinnaker-Baum zu verwenden. Das kenne ich sonst nur von asymmetrischen Gennakern. Das vereinfacht natürlich das ganze Manöver, sodass sich das Teil mit relativ wenig Arbeit ratzfatz setzen und wieder bergen lässt.

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Leider hatten wir zu wenig Gelegenheit, damit mehr Erfahrung zu sammeln, da es den Rest der Zeit so heftig blies, dass an Spinnakersegeln nicht zu denken war.

 

 

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Es wurde dann von Tag zu Tag mehr Wind. Der große Vorteil war allerdings, dass die kroatische Inselwelt (z.B. die Kornaten) uns so abschottete, dass sich keine große Welle entwickelte und das Segeln mit wenig Welle und viel Wind auf einem Katamaran einfach der Hit war.

Fotomäßig haben wir auf dem Windmesser so ziemlich genau den Moment des stärksten Windes abgepasst. Schaut mal genau hin:

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Ihr habt richtig gesehen: 54,3 Knoten Windgeschwindigkeit, und das fast am Wind auf einem Katamaran! Das ist lt. Beaufort-Skala schwerer Sturm, also am obersten Ende der Windstärke 10!

Ach ja, die Besegelung: Wir fuhren unter zweifach gereffter Genua und konnten erstaunlicher weise sogar noch ein wenig Höhe laufen. Unsicher haben wir uns zu keinem Zeitpunkt gefühlt; und mein Vertrauen in die Katamaran-Segelei im Allgemeinen und dieses Schiff im Besonderen ist mächtig gewachsen.

Auch wenn es keine Schräglage gibt: Alle seemännischen Grundregeln und Vorsichtsmaßnahmen gelten natürlich auch auf einem Kat. Also: Rettungswesten anziehen!

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Ach ja, da das Bimini eines Kats besonders stabil gebaut ist, konnte ich mir endlich mal wieder meine Lieblingshalterung basteln und an Bord stehen wie in der Straßenbahn.

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Es ist schon ein witziges Gefühl, wenn man – abgesehen von ein paar Wellen-Schaukeleien völlig gerade und wie auf Schienen durchs Meer schiebt. Macht aber Spaß!

Was man etwas üben muss ist wenden: Wenn man nicht ausreichend lange die Genua back stehen und mithelfen lässt, kommt man in die Gefahr, in der Wende zu verhungern. Dafür ist das Manövrieren mit zwei Maschinen einfach ein Genuss. Mit ein bisschen Übung kann man den Kahn auf dem Teller drehen und zentimetergenau bugsieren.

Naja, was ich da erzähle, ist ja für Kat-Fahrer nix Neues, aber da ich ja seit frühester Jugend auf Einrümpfern sozialisiert worden bin,war es schon etwa Neues für mich.

Jedes Schiff ist konstruktionsmäßig ein Kompromiss zwischen wider-streitenden  Anforderungen. Bei Katamaranen liegt – neben den sehr guten Raumschots-Segeleigenschaften – das Schwergewicht eindeutig beim Platzangebot. Auf weniger als 12m Länge vier Doppelkabinen, zwei Bäder und einen geradezu riesigen Salon hinzukriegen, geht eben nur im Katamaran. Hinzu kommt natürlich die – auch in dieser Inselwelt sehr nützliche – Flexibilität, bei nur 1,10 Meter Tiefgang Häfen und Buchten anzulaufen, wo man mit einem gleich langen Einrumpf-Schiff kaum hin kommt.

Alles in allem war es eine schöne Woche, die mich für das, was wir vorhaben, bestimmt gut vorbereitet hat – nur ein klein bisschen wärmer hätte es sein können…

Wie schon gesagt, war in der ersten Märzwoche noch viel geschlossen, wir haben auch in der ganzen Woche nur vier andere Yachten gesehen. Aber dann passieren halt tolle Erlebnisse, die man in der Hauptsaison wohl eher nicht erlebt: Wir lagen als einziges Schiff in einem Hafen, als ein  Mann vorbei ging, der das Haus direkt vor unserem Liegeplatz bewohnte. Wir kamen ins Gespräch und Aleksandr lud uns ein, für zwanzig Euro pro Nase uns ein leckeres Essen mit frisch gefangenem Fisch bei ihm zu verzehren. Gesagt, getan: Zwei Stunden später saßen wir bei ihm in einer Art Scheune, wo er in einem riesigen Kamin allerlei frisch gefangenen Fisch grillte und uns mit frischem Mangold servierte. Dazu gab’s lokalen Wein und anschließend zur Verdauung einen grappaähnlichen Traubenschnaps, den er selbst destilliert hatte. Ein hervorragendes Gesöff, wie Euer Chronist gründlich überprüft hat (Die Nacht war schwer…). Hier ein paar Impressionen dieses netten Abends.

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Aleksandr – unser Gastgeber und Koch mit seinem internationalen Gästebuch

Ja, und am Freitag Abend ging dann eine schöne und interessante Segelwoche zu Ende. Kroatien – dies Revier sieht mich mit Sicherheit wieder!

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Ach ja, zum Schluss noch:

Stay Tuned! Im April geht es dann wieder  auf der ORION in Sizilien weiter. Wer zwischen dem 12.4. und 10.6. 2014 Zeit und Lust hat, melde sich bei mir – ich freu mich über jeden Mitsegler.

Bis denn dann!

Euer Segelwolf