Kanal und Biskaya im Herbst


Man erinnert sich: Das erste Teilstück der Überführung der Merenneito endete im niederländischen den Helder. Hier wechselte die Crew und mit neuen Gästen konnte ich dann den nautisch anspruchsvolleren Teil der Reise in Angriff nehmen. Leider habe ich diesmal vor lauter Segelei nicht allzu viel fotografiert, deshalb ist dieser Bericht relativ kurz.

Den Helder ist DER niederländische Marinehafen. Selbst die Marina liegt auf abgeschlossenem Marinegelände, man liegt deshalb dort sicher wie in Abrahams Schoß.

Neustadt-DenHelder-2014 (Medium)Neustadt-DenHelder-2014-3 (Medium)

Der Plan war, zunächst auf der Südseite in den Englischen Kanal einzufahren. Erst später wollten wir dann anhand des aktuellen Wetters entscheiden, ob wir den Sprung über die Biskaya von Frankreich oder von der englischen Seite aus antreten wollten. Also waren unsere ersten Etappen Scheveningen noch in den Niederlangen und Nieuwport in Belgien. Zum Eingewöhnen waren das schöne Tagesschläge.

IMG_4590_Scheveningen (Medium)

 

IMG_4592 (Medium)Die Crew wuchs langsam zusammen, sodass ich auch dem Hochseeteil des Törns sehr optimistisch entgegensah. Mit richtig guten Leuten hat’s der Skipper eben viel´leichter und es macht auch mehr Spaß.

 

Weiter ging es also nach Frankreich – die belgische Nordseeküste ist ja auch wirklich nicht sehr lang.

Unser nächster Stopp war Boulogne-sur-Mer, bevor wir uns dann entschlossen, einen größeren Sprung zu machen und über Nacht bis nach Cherbourg zu fahren.

 

IMG_4591 (Medium)

Jetzt war also der Zeitpunkt gekommen, anhand Tide und vor allem dem Wetter- und Windbericht die Fahrt durch die Biskaya nach Spanien zu planen. Wir entschieden uns dafür, den Kanal zu queren und von Falmouth aus so weit wie möglich hinaus in den Atlantik nach Westen zu fahren, bevor wir nach Süden abbiegen wollten.

Quer über den Kanal zu fahren und die Hauptschifffahrtsroute auch noch nachts zu durchqueren, ist schon ein Erlebnis für sich (das leider nicht fotografierbar ist). Der Verkehr von Dickschiffen in beiden Richtungen nicht kein Ende. Wir setzten unseren Kurs so ab, das wir den Kanal leicht östlich des großen Verkehrstrennungsgebiets kreuzten, sodass wir wenigstens nicht auch noch genau rechtwinklig dazu fahren mussten, sondern einen für uns optimalen Kurssteuern konnten.

Am Samstag liefen wir dann in Falmouth / Cornwall ein. Landschaftlich eine schöne Ansteuerung – nur unser Liegeplatz war nicht gerade einer der schönsten, dafür war er direkt vor der Stadt und alles war zu Fuß machbar.

Yachtverkehr war reichlich, die Engländer sind halt ein Seefahrtsvolk.

 

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in Falmouth blieben wir zwei Nächte. Abgesehen davon, dass wir nochmal unsere Vorräte ergänzten, sahen wir uns die kleine aber interessante Stadt an. Es gab auch eine tolle Kneipe mit Live Music, in der zumindest ein Teil der Crew viel Spaß hatte und schönen alten Rock hörte.

 

Am zweiten Abend gingen wir dann noch einmal lecker essen. Hier der Beweis dafür, dass man mittlerweile auch in England gut essen kann:

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Neben uns am Steg lag eines der abenteuerlichsten Boote, das ich jemals gesehen habe. Die Bilder davon möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten:

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Das allein ist ja schon beeindruckend, aber der absolute Hit war das Vordeck:

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Man könnte ja meinen, ein herrlicher Platz fürs Klo mit allerbester Aussicht – es war aber nicht angeschlossenVerliebt

Von der Biskaya-Überquerung selbst gibt es nichts besonderes zu vermelden. Es ging zwar ganz gut los, aber im Laufe der Zeit schlief der Wind ziemlich ein, sodass wir erhebliche Teile dieses sonst so wilden Meeres mit Motor in Angriff nehmen mussten. Leider viel eines Nachts der passive Teil unseres AIS aus, sodass wir wegen der überall herumschleichenden kleinen Fischerboots besonders gut Ausguck gehen mussten -  wenigstens funktionierte unser AIS-Sender, sodass die uns wahrnehmen konnten.

IMG_4630 (Medium)

Den letzten Teil der Strecke fuhren wir sehr langsam, damit wir erst nach Hellwerden in La Coruna ankamen. Wir legten uns in den inneren Stadthafen, der jetzt, am Ende der Saison, ziemlich leer war. Ja, und dann passierte es:

Nach fast anderthalbtausend Seemeilen sind wir buchstäblich auf dem allerletzten Meter der Reise. Ich überlasse meinem Co-Skipper das Ruder für das Anlegemanöver, gehe auf die Steuerbordseite und habe vor, mal wieder beim Anlegen mitzuhelfen. Denke mir “du kannst ja auf den Schwimmsteg springen und die Achterleine annehmen”. Gesagt getan, elegant wie eine Gazelle (oder wie hieß nochmal das große graue Tier mit dem RüsselZwinkerndes Smiley) springe ich auf den schmalen Schwimmsteg. Und was macht der blöde Steg: Senkt sich unter meinem Gewicht ein wenig tiefer, federt wieder hoch, katapultiert mich in die Höhe, und mit einem eleganten Satz lande ich auf der anderen Seite im Hafenwasser – und das Ganze mit Rettungsweste, die sich natürlich prompt aufblies!

Es hat sich keiner getraut, den Skipper im Wasser zu fotografieren, deshalb gibt es nur Fotos der Weste nach diesem Ereignis, schön dekoriert und garniert.

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Wir lagen dann recht ruhig, aber sozusagen mittendrin, direkt hinter dem Kreuzfahrerkai:

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Nach einem ausgiebigen Stadtspaziergang versammelten wir uns dann zu einem äußerst leckeren Abschiedsessen. Die ersten verließen uns am nächsten Morgen schon ganz früh, während ich mit dem Rest nochmal an die Tankstelle musste.

IMG_4754 (Medium) 

Dann gingen zwei sehr schöne Törns zu Ende, die mir viel Spaß gemacht haben. Die Merenneito ist ein außergewöhnlich sportliches und schnelles Schiff, das anspruchsvoll ist und sich teilweise segelt wie eine Jolle.  Ich freue mich schon auf den nächsten Törn mit dieser eleganten  X-Yacht.

Wie gesagt, ich habe für meine Verhältnisse wenig fotografiert. Umso mehr danke ich deshalb meinem Mitsegler Ralf für die Verwendung einiger seiner Fotos.

Bis zum nächsten Mal

Euer Segelwolf

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Autor: segelwolf

Als professioneller Skipper habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Neben anderen Aufgaben ermögliche ich auf Mitsegeltörns vielen Segelneulingen, aber auch alten Hasen, die Schönheit des Lebens mit der Natur auf einer Segelyacht zu genießen.

1 Kommentar zu „Kanal und Biskaya im Herbst“

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