Menorca sollte man erlebt haben


Menorca, die kleine Schwester Mallorcas, ist mittlerweile meine Lieblingsinsel im Mittelmeer. Zwar touristisch und gut erschlossen, aber trotzdem noch viel Ursprüngliches – und ein geschichtsträchtiges Pflaster, wie wir gleich sehen werden.

Besiedelt ist die Insel ununterbrochen seit der Jungsteinzeit vor fast achttausend Jahren. Wer sich dafür interessiert, kann auf Menorca Mengen steinzeitlicher Zeugen sehen oder in Museen vielerlei Dinge aus der Bronzezeit. Noch heute werden laufend neue hochinteressante archäologische Stätten entdeckt.

Danach haben sich die Eroberer hier förmlich die Klinke in die Hand gegeben und alle haben ihre Spuren hinterlassen: Phönizier, Griechen, Karthager, Römer, Vandalen, Mauren und in neuerer Zeit Franzosen, Briten und Spanier.

Gerade diese neuere Zeit interessiert mich besonders. Meine Segelfreundin Eva hat mich vor einiger Zeit mit den Romanen von Patrick O’Brian bekannt gemacht, nach denen ich seitdem süchtig bin. Er beschreibt die Welt die Britischen Navy zur Zeit der Napoleonischen Kriege Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts. Dazu jede Menge interessantes aus Biologie, Geografie, Botanik und was weiß ich noch alles. Ich lese die Romane auf Englisch, sie sind aber auch auf Deutsch erschienen – siehe hier.

Warum erzähle ich das? Menorca und die Hauptstadt Mahón waren zu dieser Zeit damals gerade mal britisch . und mindestens ein Band der Serie spielt hier auf Menorca.

Interessant ist es, in Mahón, der heutigen Hauptstadt, die Spuren dieser vielfältigen Besetzungen zu verfolgen. Man bedenke: Allein im 18. Jahrhundert hat diese Insel fünf mal den Besitzer gewechselt. Für die geschichtsinteressierten unter Euch:

1708 wurde Maó (so nennen die Menorquiner ihre Hauptstadt Mahón) von den Briten erobert. Der Friede von Utrecht (1713), mit dem der spanische Erbfolgekrieg beendet wurde, sprach Menorca dem britischen Empire zu. Im Siebenjährigen Krieg wurde die Insel 1756 von Frankreich besetzt, im Pariser Frieden 1763 aber wiederum Großbritannien zugesprochen. Nach dem Eintritt Spaniens und Frankreichs in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eroberten spanisch- französische Truppen 1782 die Insel. Im Frieden von Versailles (1783) musste Großbritannien die Insel formell an Spanien zurückgeben, von 1798 bis 1802 wurde Menorca jedoch erneut britisch besetzt. Danach wurde Menorca wieder spanisch und ist es bis heute.

Für uns Seefahrer ist Mahón einer der interessantesten Häfen im Mittelmeer. Ein langezogener, fast fjordähnlicher Schlauch, bestens geschützt gegen alle Wetter (und leicht zu verteidigen!) machen den zweitgrößten Naturhafen der Welt. Fünfeinhalb Kilometer lang und fast eineinhalb Kilometer breit erlaubt er sogar großen Ozeanriesen die Einfahrt. Dann wird es allerdings so eng, dass das Lotsenboot vorher durchfährt und alle kleineren Schiffe beiseite scheucht.

Der wirtschaftliche Aufschwung begann unter den Engländern und das sieht man noch heute, wie nachstehend die Bilder zeigen werden.

Die ganze Insel hat knapp einhunderttausend Einwohner, davon leben fast dreißigtausend in der Hauptstadt. Natürlich gibt es viel Tourismus, aber von den Sünden, die Spanien damit anderswo begangen hat, ist Menorca weitgehend verschont geblieben. Mahón ist einfach eine hübsche Kleinstadt mit tollem mediterranen Klima geblieben und auf jeden Fall eine Reise wert. Vielleicht mache ich ja mit nachstehendem Fotoalbum einigen etwas Appetit auf diese sehenswerte Insel.

 

Aber leider hatte ich nicht nur für die Stadtbesichtigung Zeit, sondern mußte auch noch fürt’s Schiff einkaufen –man  erinnere sich z.B. an die ja immer noch nicht ganz abgeschlossene Klo-Story:

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Zum Abschluss sind wir dann noch aus Mahón ausgelaufen und haben noch eine Nacht in einer der idyllischen Ankerbuchten Menorcas verbracht. Damit wir in Susis Strandbar (vom Küstenhandbuch empfohlen) ein paar Tapas essen konnten, blieb uns also nichts anderes übrig, so ganz am Schluss meines Langzeit-Törns doch noch unser Schlauchboot aufzublasen.Ich habe natürlich die Gelegenheit genutzt, vom Wasser aus ein paar neue Orion-Fotos zu machen.

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Autor: segelwolf

Als professioneller Skipper habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Neben anderen Aufgaben ermögliche ich auf Mitsegeltörns vielen Segelneulingen, aber auch alten Hasen, die Schönheit des Lebens mit der Natur auf einer Segelyacht zu genießen.

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