Hochsee-Schnäppchen


Liebe Freunde und Leser meines Blogs.

Für Kurzentschlossene hätte ich wieder einmal einen interessanten Hochseetörn anzubieten.

Wir fahren am 30. April 2017 in Ponta Delgada auf den Azoren los. Danach folgen 1.100 Seemeilen pures Hochseesegeln nach Osten, bis wir den Englischen Kanal erreicht haben. Je nachdem, wie schnell wir durchgekommen sind, erwarten uns dann noch einige interessante französische Tidehäfen, bis  wir am 12. Mai 2017 in St. Malo / Frankreich ankommen, wo der Törn endet.

Dieser Törn ist nur interessant für Leute, die echtes Hochseesegeln erleben wollen und bereit und in der Lage sind, auch nachts Wache zu gehen. Wer das mag, den erwartet ein intensives Segelerlebnis.

Neben der üblichen Bordkasse kann ich diesen Törn zu äußerst attraktiven Kojenkonditionen anbieten. Wenn Ihr Interesse habt, einfach melden bei Segelwolf@gmx.de.

Ansonsten habe ich gerade meinen ersten SKS-Ausbildungstörn auf der Ostsee hinter mir. Am kältesten Tag hatten wir vier Grad und Schneeregen –brrrr.  Auf dem Azorentörn wird es deutlich wärmer –das verspreche ich!.

Also, wenn Ihr Lust habt, ran an den PC und Mail an mich geschrieben.

Euer Segelwolf

Über den Atlantik–Teil 4: St. Lucia


Es hat lange gedauert, bis ich den Rest meiner Reise schildern konnte.  Viel ist in der Zwischenzeit passiert: Ich war im Januar schon wieder einen Törn auf Lanzarote fahren, danach hatte ich ein paar aufgeschobene Arztbesuche, die letztlich in einen Krankenhausaufenthalt mündeten, um einen kleinen chirurgischen Eingriff machen zu lassen. Danach war ich noch ein bisschen gehandicapt, aber jetzt ist alles wieder im grünen Bereich.

Viel Zeit hatte ich ja nicht auf Saint Lucia. Es reichte aber, sich die Hauptstadt Castries anzuschauen. Der Flugplatz für meinen Rückflug lag genau am anderen Ende der Insel, also bot es sich für mich und meinen Crew-Kollegen an, ein Auto zu mieten, und meine Fahrt zum Flugplatz als Inselrundfahrt zu benutzen. Und genau davon will ich heute ein bisschen erzählen.

Saint Lucia hat ca. 165.000 Einwohner, ist 650 Quadratkilometer groß und liegt direkt neben Martinique. Geographisch gehört es zu den kleinen Antillen, die sich in einem Bogen bis nach Trinidad und zur venezolanischen Küste ziehen. Der Kontrast zu den teilweise ja sehr kahlen Kanaren, von denen wir losgefahren waren, könnte nicht größer sein. Alles ist grün und bunt und fruchtbar. Resultat: Die wichtigsten Einkommensquellen sind Touristen und Bananen.

Von der Marina in Rodney Bay fährt man ungefähr eine halbe Stunde in die Hauptstadt Castries. Am besten macht man das mit einem der unzähligen Kleinbusse japanischer Provenienz. Man steigt ein, fährt bis an sein Ziel und gibt dem Fahrer sein Fahrgeld in die Hand. Tickets, Kassen und solche neumodischen Sachen gibt es natürlich nicht. Braucht man auch nicht, weil der Fahrpreis spottbillig ist.

Auch auf dieser kurzen Strecke bis in die Hauptstadt kann man schon sehen, wie grün die ganze Insel ist.

“Hauptstadt” ist zwar nominell richtig, aber de facto ist das Ganze ein besseres Dorf mit Dreieinhalbtausend Einwohnern, selbst die “Metropolitan Area” oder auf deutsch Groß-Castries hat nur 16.000 Einwohner.

Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn in diese Kleinstadtidylle pro Jahr über 650.000 Kreuzfahrttouristen einfallen. Wenn dann ein solcher Kahn in dem Zwergenhafen der Hauptstadt anlegt, sieht das so aus:

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Deutsche Touristen kommen pro Jahr nur rund Dreitausend, und ich vermute mal, dass ein Gutteil davon Segler sind.

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Zwei solche Riesendinger lagen im Hafen. Nicht nur die Stadt war total überfüllt, sondern jeder Kleinbus der Insel war mit Touristen auf Inselrundfahrt unterwegs. Wir haben uns deshalb da gar nicht lange aufgehalten (war waren ja am Vortag schon mal da, allerdings leider ohne Kamera) sondern sind sofort ins das Landesinnere gefahren.

Es war zwar warm, aber gelegentlich gab es doch schon mal einen Tropenschauer.

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Markant für die Insel ist, dass im Großraum der Hauptstadt nur ca. zehn Prozent der Bevölkerung wohnen. Der Rest verteilt sich auf viele kleine Dörfer, in denen nicht nur der Landwirtschaft treibende Teil der Bevölkerung wohnt, sondern auch ein Großteil derer, die im Dienstleistungssektor, also dem Tourismus arbeiten.

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Peugeot ist zwar noch auf der Insel vertreten, aber hier werden jedenfalls keine Autos mehr repariert.

 

Hier mal ein paar Fotos einfach so, ohne größere Kommentare.

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Keine drei Prozent der einheimischen Bevölkerung sind Weiße. Kein Wunder also, dass man außerhalb der Touristenzentren nur Farbige sieht.

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Einer der Gründe, weshalb es im Vergleich zu vielen anderen Inseln in der Karibik so wenige Touristen gibt, die länger bleiben, ist bestimmt, das es fast keine Strände gibt, wie der typische Tourist sie sich vorstellt. Die wenigen Strände sehen zum größten Teil so aus:

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Auch Fischer gibt es nur noch sehr wenige. Wie so oft hat man jahrzehntelang Raubbau an den Fischbeständen getrieben, bis nichts mehr da war. Aber es gibt Hoffnung. Wikipedia schreibt z.B.

“Nachdem in den Jahren nach 1990 immer weniger Fisch gefangen wurde, einigten sich Fischer, Tourismusindustrie und Umweltschützer darauf, Meeresschutzgebiete um St. Lucia einzurichten. Etwa ein Drittel des Korallenriffs um St. Lucia steht seit dem unter absolutem Schutz. In diesem Gebiet darf nicht gefischt werden. Weder Taucher noch Bade-Touristen dürfen sich hier aufhalten. In einigen anderen Gebieten gilt ein gelockerter Schutz. Diese Gebiete sind für Taucher und Badegäste offen. Seit der Einrichtung dieser Schutzgebiete hat sich die Anzahl der Fische
um St. Lucia vervielfacht.”

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Gelegentlich gibt mal einen Aussichtspunkt mit schönem Blick aufs Meer. Es war allerdings nicht leicht, einen Winkel zu finden, aus dem außer mir niemand mehr aufs Bild kam Flirten - Mann

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Was man nicht sieht: Um mich herum wuselte der Inhalt von mindestens zwanzig Kleinbussen mit je 8-9 Insassen und die entsprechende Meute einheimischer  Souvenirverkäufer.
Also nichts wie weiter, am besten gleich zum einheimischen Italiener.

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Damit man sieht, um was es hier geht, hab ich mal das handgeschriebene Schild herausvergrößert:

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Ungefähr auf halber Höhe der Insel stehen zwei ganz hübsche Berge, an deren Fuß das Haupt-Touristenzentrum liegt. Das hab ich natürlich nicht fotografiert, dafür lieber den Ort, in dem die dazugehörigen Einheimischen leben.

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Damit Ihr Euch das mit den Touristen und den Kleinbussen besser vorstellen könnt, hab ich am nächsten Aussichtspunkt mal nicht die Aussicht, sondern die Aussehenden fotografiert:

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Wir sind dann von der Hauptstraße weg ins Landesinnere, dahin sind uns diese Kleinbushorden gottseidank nicht gefolgt. Dafür fanden wir dann wieder die ursprünglichen Dörfer, in die sich kaum ein Tourist hin verirrt.

Deutlich ist hier zu sehen, dass St. Lucia wahrlich keine wohlhabende Insel ist. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf sind schließlich gerade mal 11.000 US$.

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Zu einer kleinen Insel gehören natürlich auch kleine Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel dies allerliebste “Wasserfällchen”:

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Besonders natürlichgeeignet für entsprechende Erinnerungsfotos:

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Da durfte natürlich auch Yours Truly nicht fehlen und hat sich eben mal auch dahin gestellt. Das Mädel oben drüber war allerdings ein kleines bisschen hübscher.

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Ganz witzig fand ich auch die offenen Buggies, die man dort für eine Rundfahrt durch das weniger zugängliche Landesinnere mieten konnte.

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Und in diesem Landesinneren findet man dann noch Gegenden, wo man das Gefühl hat, dass die Zeit komplett stehen geblieben ist:

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Und wenn man dann aus den Bergen kommt, tun sich plötzlich Ausblicke aufs Meer aus, die dann doch wieder typisch für die Karibik sind, und für es sich lohnt, dort hinzufahren.

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Ganz unten im Süden der Insel fanden wir dann doch noch Strände, an die es sich lohnte zu gehen.

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Dort haben wir dann auch am Strand Mittag gegessen. Das Restaurant gehörte zu einem Hostel mit hübschen kleinen Zimmern am Strand – allerdings nicht ganz billig.

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Wenn mein Crewkollege nicht noch hätte zurückfahren müssen und ich nicht zwei Stunden später nach London fliegen wollte, hätten wir uns mit großer Begeisterung hier am Strand einmal durch die Cocktailkarte gearbeitet:

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Sicher war es da auch – diese schwerbewaffnete Polizistin passte auf uns alle gut auf:

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…und wäre es dunkel geworden, hätten wir unseren Weg dank der hervorragenden Beleuchtung mit organischen Stehleuchten auch bestens gefunden:

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So, liebe Leser, das war’s aus der Karibik, zwei Stunden danach saß ich bereits im Flieger der Virgin Atlantic nach London, wo ich dann wegen eines blöden Streiks fast den ganzen Tag herum saß, bis ich dann endlich nach Hamburg weiterfliegen konnte.

Für 2017 gibt es schon viele Pläne. Ab 18. März wird’s erst mal richtig frisch: Ich fahre den ersten SKS-Kurs des Jahres ab Kiel. Mal sehen ob die Häfen der dänischen Südsee dann schon eisfrei sindAlien.

Im April/Mai kommt dann die erste große Reise des Jahres: Von Lanzarote über Madeira, die Azoren, St. Malo nach Kiel. Auf einzelnen  Teilstrecken sind noch Kojen frei. Wer also Lust und Zeit für einen richtigen Hochseetörn hat, melde sich bei segelwolf@gmx.de. Da gibt’s dann alle weiteren Informationen.

Danach im Sommer ist dann wieder die Ostsee dran: Dänemark, Schweden und Polen werden meine Ziele in Wochentörns sein. Meldet Euch – ich freue mich über jeden, der mitfährt.

So stay tuned

Über den Atlantik–Teil 3


So langsam kehrte nach der ersten Nacht Routine ein. Die tägliche Routine musste sich aber erst langsam einspielen: Freizeit, Wache gehen und Mahlzeiten müssen unter einen Hut gebracht werden, was bei unserer kleinen Crew etwas komplizierter ist als bei den großen Crews von sechs bis acht Leuten, mit denen ich sonst meistens unterwegs bin.

Schon bald nach dem ersten Tag wurde der Wind immer weniger. Da aber für die Regatta jede Stunde, die wir unter Maschine laufen, mit 80% Zeitzuschlag gerechnet wird, lohnt es bei erst bei Geschwindigkeiten von unter 3 Knoten, den Jockel anzuwerfen – und auch das nur sparsam. Insgesamt hatten wir 190 Liter Diesel zur Verfügung, damit sollte man dann auch sparsam umgehen.

Ganz langsam wurde es von Tag zu Tag wärmer. Also kann man so einen Flautentag prima dazu benutzen, mal baden zu gehen. Das Wasser war hier schon um die 23/24 Grad warm, also beste Bedingungen. Ach ja:  Unten drunter hatten wir da rund viereinhalbtausend Meter Wasser unter der Badehose.

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Dank eines speziellen Salzwassershampoos konnten wir so auch Süßwasser aus unseren Tanks sparen und die Süßwasserdusche und das Haare waschen mit Süßwasser ersetzen. Das entlastete unsere Wasservorräte.

Hier kann man auch sehen, das es zwar wunderschönes Wetter war, aber dem Fortkommen war diese Flaute nicht sehr dienlich. Bei Etmalen von unter 100 Seemeilen grübelte der Skipper stundenlang über den Wetterkarten.

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Ein Problem, das der Außenstehende vielleicht gar nicht als solches erkennt: Wo lässt man bei drei bis vier Wochen Reisedauer seinen Müll? Man kann das ja nicht einfach über Bord werfen – und die Müllabfuhr kommt auch selten vorbei…

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Wir verstauten den größten Teil unseres Mülls im Vorschiff in der Ankerlast. Den Anker werden wir ja draußen auf dem Atlantik eher nicht brauchenZwinkerndes Smiley.

Die außerdem dort normalerweise befindlichen Fender wurden am Heck angehängt – zwar nicht schön, aber da draußen sieht’s ja keiner.

Zwischendurch gab es natürlich immer wieder wunderschöne Momente. Schaut Euch nur mal diesen Atlantik-Sonnenuntergang an

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Wenn die Sonne zu sehen war, nutzte ich 2-3 mal am Tage die Gelegenheit, um die Sonne zu schießen, und meine eingerostete Astronavigations-Technik wieder zu verbessern. Ich will’s gleich sagen: Ganz zufrieden war ich mit mir nicht, meine per GPS nachgeprüfte tatsächliche Position wich doch mehr Meilen ab, als eigentlich normal sein müsste Vor Wut kochen.

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Das ist zwar so weit draußen auf dem Meer kein Problem, befriedigt aber natürlich den eigenen Ehrgeiz nicht.

Zwischendurch hatten wir schon relativ früh mal einen sog. “Squall”, also einen heftigen Regenschauer, verbunden mit kurzfristig deutlich auffrischendem Wind. Wenn so etwas tagsüber passiert, kann man bei diesen Squalls teilweise interessante Regenbogen beobachten. Ich hab mal zwei Bilder ausgewählt, die einen typischen “Squall” und einen etwas ungewöhnlichen Regenbogen zeigen:

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Nach der ersten Woche fingen dann langsam die Probleme an. Es begann damit, dass der für uns praktisch unerlässliche Generator seinen Geist aufgab. Er ist deshalb so wichtig, da das Boot nicht über einen Gasherd verfügte, sondern es wurde auf einem Elektroherd gekocht. Die 230 Volt dafür produzierte ein Transverter, der die 12 Volt der Batterie wieder hochspannte und in Wechselstrom umbaute. Dieser Strom dafür wurde mit dem Generator und einer relativ kleinen Solaranlage produziert. Also musste man mindestens einmal am Tag eine Weile diesen Jockel laufen lassen.

Die Fehlersuche war ziemlich mühsam, da das alles auf so einem kleinen  Schiff ja nicht besonders gut zugänglich ist.

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Ein paar Tage lang hat das Ding dann nochmal mit viel basteln funktioniert, bis wir es dann endgültig aufgeben mussten. In der letzten Woche war deshalb Strom bei uns erheblich rationiert. Alles was nicht für die Schiffsführung erforderlich war, wurde also abgeschaltet. Erst als praktisch nur noch das GPS und unser Autopilot liefen, war die Strombilanz wieder positiv. Zum Opfer fiel deshalb größtenteils auch unsere Funk-Kommunikation auf Kurzwelle, da dies Gerät allein beim Empfangen schon 3 Ampere verbrauchte und beim Senden über 20 Ampere. Genauso gab es ab dann weder warmes Essen noch warme Getränke.

Als ob das noch nicht genug wäre, gab dann auch noch unser Wassermacher seinen Geist auf, der maschinell aus Seewasser Trinkwasser macht. Auch da wurde wieder heftig gebastelt.

 

 

 

Wie man sieht, produziert diese Bastelei auf See immer erhebliche Unordnung, bis man an die entsprechenden Dinge herankommt. Danach muss man das möglichst sofort alles wieder aufräumen, da der Platz dann ja schon wieder für andere Dinge gebraucht wird.

 

 

 

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So gaanz langsam kam dann auch endlich der Wind wieder, wenn auch noch lange nicht aus der gewünschten Passat-Richtung Nordost. Aber mit Großsegel und Code Zero als Vorsegel machten wir auch bei wenig Wind recht gute Fahrt voraus.

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Übrigens hat das Schiff ein relativ ungewöhnliches Cockpit-Layout, das aber sehr praktisch ist. Wie man sieht, sind alle Winschen und Leinen mit Ausnahme der Fallen nach achtern geführt, sodass alles durch den Rudergänger bedienbar ist. Dazu verschwinden alle Leinen in sehr praktischen Fächern, sodass man immer ein aufgeräumtes Cockpit hat.

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Endlich zu Beginn der dritten Woche kam dann endlich der verspätete Passat und wir hatten zunächst 15 – 20 Knoten wahren Wind von hinten. Unseren Gennaker konnten wir leider nicht einsetzen. Als es von der Windrichtung gepasst hätte, hat er sich eines Nachts derartig fies um sein Vorstag gewickelt, dass das mit Bordmitteln nicht zu entwirren war, weil die Wicklungen oben und unten jeweils entgegengesetzt waren. Das bekommt man nur komplett ausgerollt wieder hin und das geht nur an Land bei einem so großen Segel.

Also kam ab einem Windwinkel von ca. 150 Grad unsere Passatbesegelung zum Tragen, die wir ja schon in Las Palmas ausprobiert hatten: Die Fock wurde mit dem ausziehbaren Spinnakerbaum ausgebaumt und nach vorn und achtern zusätzlich mit Leinen zur Bug- und Mittelklampe gesichert.

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Wenn dann der Wind noch weiter von hinten kommt, kann man halsen und das Großsegel auf der anderen Seite fahren. Im Normalfall stellt man dann den Autopiloten auf wahren Wind ein und der steuert das Schiff hervorragend und feinfühlig vor dem Wind. Natürlich muss man laufend das Wetter beobachten, denn wenn so ein Squall kommt, kann der Wind durchaus mal auf 40 Knoten aufbrisen – und nach fünf bis zehn Minuten ist dann alles wieder vorbei.

Inzwischen wurde es wärmer und wärmer,, je weiter wir nach Westen kamen. Die Tagestemperaturen erreichten um die 35 Grad und was Wasser erwärmte sich auch bis auf über 25 Grad. Badepausen waren bei dem Wind natürlich nicht mehr drin, aber das geht: Kurze Leine am Schiff festmachen, das andere Ende per Palstek um die Brust – und dann langsam die Badeleiter heruntersteigen. Bei sieben Knoten Geschwindigkeit ist das besser als die Massagedüsen in der Badewanne. Das Haare waschen wird dann danach mittels über den Kopf gegossenen Seewasser-Eimern erledigt.

Ach ja, und irgendwann war dann ja auch der 6. Dezember, also der Nikolaustag…

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Und dann, drei Tage vor der Ankunft in St. Lucia passierte das größte Problem…

Wir segelten nachts bei um die 20 Knoten Wind von achtern mit der oben beschriebenen Passatbesegelung. Die Böen hatten so um die maximal 25 Knoten, was wir schon oft genug gehabt hatten. Da ich weit vorne so einen Squall sah, weckte ich meinen Crewkollegen, um ein Reff ins Großsegel zu binden. Während der noch im Dunkeln seine Taschenlampe suchte, die ihm heruntergefallen war (Ihr erinnert Euch: Aus Stromspargründen waren die Lampen ausgeschaltet) tat es einen heftigen Schlag, der irgendwo von vorn kam. Da es stockfinster war, leuchtete ich mit der Lampe nach vorn und stellte fest, dass ich das Vorsegel nicht mehr sah – und der Spibaum lag auf Deck auf der falschen Seite!

Das Boot gierte ziemlich hin und her, da ja plötzlich der Gegendruck des Vorsegels fehlte, und ehe ich überhaupt bis zum Ruder kam, hatte der Autopilot eine Patenthalse produziert. Der Baum schlug gottseidank sehr langsam über, weil er ja durch eine Baumbremse gedämpft wurde.

Meine Restcrew kam an Deck und wir versuchten, des Wirrwarrs Herr zu werden. Das Großsegel wurde heruntergenommen – und dabei mussten wir feststellen, dass der Großbaum genau auf der Höhe der Baumbremse gebrochen war. Während ich mit heftiger Arbeit und Maschinenunterstützung das Boot möglichst auf einem ruhigen Kurs hielt, kämpften die beiden anderen – natürlich vernünftig gesichert –auf dem Vorschiff. Inzwischen war eine halbe Stunde vergangen und er Squall, den ich gesehen hatte, war da und unterhielt uns einige Zeit mit heftigem Regen und reichlich Wind.

Das Vorsegel zu bergen, gelang uns aber erst sehr viel später am nächsten  Tag. Bis dahin segelten wir mit der teilweise eingerollten Starkwindgenua, die deutliche Kampfspuren zeigte.

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Was wirklich mit dem Großbaum geschehen war, konnten wir natürlich auch erst am nächsten Tag genau beobachten:

 

 

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Im großen und ganzen muss ich sagen, ist die Crew mit dieser schwierigen Situation sehr gut fertig geworden.  Es wurde – jeder an seiner Position – sehr gut und ruhig zusammengearbeitet. Keinerlei Hektik oder Panik kam bei den drei Beteiligten auf.

Am nächsten Tag haben wir dann in Ruhe die Reste der Genua geborgen. Dabei sahen wir dann auch den Auslöser des ganzen Schlamassels: Der Spinnakerbaum war kurz vor seiner Halterung gebrochen und damit haute das Vorsegel plötzlich auf die andere Seite ab.

Wir haben dann die normale Arbeitsfock gesetzt und sind unter dieser Besegelung, je nach Wind immer noch zwischen fünf und sechseinhalb Knoten gelaufen. Wie wir später erfahren haben, lagen wir bis dahin in unserer Gruppe an hervorragender Stelle. Nach gesegelter Zeit haben uns dann aber in den letzten zwei Tagen doch noch zwei Boote überholt.

Immerhin sind wir trotz alledem in unserer Klasse nach berechneter Zeit noch Dritte  geworden!

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Auf diesem Bild sieht man in der Steuerbordsaling schon die Gastlandflagge von St. Lucia und die Flagge “Q”, die man setzen muss, wenn man außerhalb des Schengengebiets ein fremdes Land ansteuert.

Der Moment des Landfalls war natürlich ein ganz besonderer nach drei Wochen.

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Und das war natürlich auch genau der Moment, als wir die Flagge von St. Lucia setzten.

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Langsam kam dann St. Lucia immer näher und vor uns war der Pigeon Point, der nur noch gerundet werden musste, um die Ziellinie anzusteuern.

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Danach dauerte es dann nur noch ein paar Minuten, bis wir an der Tonne, die die Ziellinie begrenzt, das Rennen offiziell beendeten.

Ziemlich genau 21 Tage und eine Stunde, nachdem wir vor Gran Canaria gestartet waren, hatten wir die 2.877 Seemeilen oder  5.328 Kilometer hinter uns.

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Per Funk wurden wir vom Zielschiff begrüßt und unsere Zielankunftszeit wurde bestätigt.

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Danach folgt dann die Einfahrt in den geschützten Hafen von Rodney Bay und die erste Begegnung mit der Karibik.

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ja, und dann war da noch dieses Boot, dessen Foto natürlich einen besonderen Ehrenplatz in meiner Sammlung von ungewöhnlichen Schiffsnamen bekommt:

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Dann gab es einen netten Empfang durch die Leute der ARC, von dem ich leider keine Fotos zur Verfügung habe. Wir wurden am Steg begrüßt von einer Ein-Mann-Steelband mit einem Begrüßungslied, bekamen nach dem Festmachen als allerstes einen anständigen Rum Punch in die Hand gedrückt und einen wunderschönen Früchtekorb serviert sowie last, but not least, eine Flasche karibischen Rums, die das nächste Morgengrauen nicht mehr erlebt hat.

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In Anbetracht unseres Strom- und Wassermangels verwundert es sicher nicht, dass dann am ersten Tag ausgiebiges Duschen an Land sowie ein dickes, fettes Steak auf dem Programm standen.

Bevor ich nach Deutschland zurück flog, haben mein Crewkollege und ich noch eine Inselrundfahrt gemacht. Aber von der berichte ich beim nächsten Mal.

So stay tuned!

Über den Atlantik–Teil 2


Erinnert Ihr Euch?

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In diesem Moment – man schreibt den 20. November 2016 und es ist auf die Sekunden genau 13.00 Uhr UTC (was praktischerweise sowieso auch die lokale Uhrzeit von Las Palmas ist) – passieren wir die Startlinie der diesjährigen ARC. Endlich, nach all den Vorbereitungen, geht es los und wir sind auf dem Weg in die Karibik.

Es ist schon beeindruckend, wenn sich über zweihundertdreißig Boote gemeinsam auf den Weg machen. Leider kann ich Euch davon nur Ausschnitte zeigen, für alle Schiffe hätte ich schon einen Hubschrauber gebraucht.

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Zunächst segeln wir eine ganze Weile längs Gran Canaria, und dann südlich an Teneriffa und La Gomera vorbei. Bei gutem Wind setzen die meisten schon ihre großen Vorsegel, Spinnaker oder Gennaker.

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So langsam beginnt dann die Bordroutine, Wachen werden eingeteilt, Wetterberichte über Kurzwelle eingeholt und Kurse geplant. Das Wetter macht uns etwas Kopfzerbrechen. Einige Tiefs haben sich ziemlich weit nach Süden geschlichen, sodass auf den ersten Blick sich ein für ARC-Verhältnisse sehr weit nördlicher Kurs anbietet.  Leider kann man ja beim Wetter nicht wirklich weit in die Zukunft schauen. Wir entschlossen uns deshalb, einen mittleren Kurs zu laufen und täglich den Kurs anhand des aktuellen Wetters zu optimieren.

Die ganz schnellen Regattaboote (Maxis und Volvo Ocean Racer z.B.) entschieden sich alle für die Nordroute. Der Sieger stellte damit dann auch einen neuen Streckenrekord nach gesegelter Zeit auf. Da wir – wie die Mehrzahl der Boote – ja wesentlich langsamer sind, wäre diese Nordroute für uns tödlich geworden. Bis wir da oben gewesen wären, hätte sich das Wetter schon längst geändert. Der Sieger hat schließloch weniger als die Hälfte der Zeit von uns gebraucht.

Erst gab es die erste warme Mahlzeit auf See

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dann briste der Wind noch ein bisschen auf auf um die 20 Knoten und ab dann hatten wir die klassische Atlantik-Welle: Lang und hoch – viieel angenehmer als Ostsee- oder Mittelmeerwellen.

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Es begann die schönste denk-bare Hochsee-Segelei. Wir setzten unseren Gennaker und ab ging die Post!

 

Dieses Vorsegel ist speziell für Passat- und sonstige kräftige Winde gedacht. Man kann ihn raumschots bedenkenlos bis weit über 20 Knoten Wind (also Windstärke 5) stehen lassen. Wenn man dann so auf unser Kielwasser schaut, überkommt einen glatt die Lust, unter Segeln Wasserski zu laufen Flirten - Mann.

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Für ein Schiff dieser Größe ist das schon ein ganz anständiger Wert: Oft genug haben wir unsere Rumpfgeschwindigkeit erreicht.

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Das hier ist übrigens der “Tracker”, mit dem man unsere Position jederzeit im Internet sehen konnte. Das Ding hat ein eingebautes GPS und sendet jede Stunde die Position über Satellit an einen zentralen Server.

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Und so sieht dann schönstes Blauwassersegeln aus:

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Da der Wind inzwischen nicht mehr raumschots, sondern viel weiter von vorn kam, tauschten wir den Gennaker gegen einen etwas kleinen Code Zero ein.

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Dies Bild zeigt übrigens, dass ich in fast allen Situationen meine Rettungsweste trage. Im Sommer bin ich ja viel in der Ausbildung unterwegs, und all meinen Schülern möchte ich damit zeigen, dass ich das ernst nehme – nicht nur auf meinen Ausbildungstörns.

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Langsam brach der Abend an, und wir bereiteten das Boot auf die erste Nacht vor.

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Und so segelten wir dann in unsere erste Nacht auf hoher See, traten unsere Nachtwachen an und harrten der Dinge, die in den nächsten drei Wochen auf uns zukommen würden.

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Das war’s für heute. Beim nächsten Post geht die Reise weiter.

So stay tuned!

Über den Atlantik–Teil 1


Wundert Euch nicht, wenn Ihr diesen Post doppelt erhaltet – ich habe leider festgestellt, dass das Posten auf facebook beim ersten Mal nicht funktioniert hat.

Auf hoher See kann man schlecht posten, deshalb habt Ihr lange nichts mehr von mir gehört. Aber nun bin ich seit drei Tagen aus Saint Lucia zurück und fange langsam an, mein Material zu sortieren. Deshalb gibt’s heute die erste Portion meines Berichts über die Atlantik-Überquerung im Rahmen der ARC (Atlantic Rally for Cruisers)

Zum einunddreißigsten Mal wird diese Rally dies Jahr veranstaltet und hat sich in diesen Jahren zu einer riesigen Karawane entwickelt. Start ist immer in Las Palmas auf Gran Canaria und Ziel seit vielen Jahren in Rodney Bay auf St. Lucia. Ein Teil der Teilnehmer segelt die ARC+, die etwas früher startet und einen Zwischenstop auf den Kapverden einlegt, der große Rest segelt direkt nach St. Lucia. Über dreihundert Yachten haben dies Jahr die gemeinsame Reise angetreten, an die zweitausend Crewmitglieder waren dabei. 

Angereist bin ich schon eine Woche vor dem Start. Es galt, dem Skipper bei der Vorbereitung des Boots zu helfen. Da gab es genug zu tun. Ich habe lange nicht mehr so viel gespleisst, getakelt und geknotet. Das liegt unter anderem daran, dass wir sehr viel mit Tauwerkschäkeln und Dyneema-Leinen statt der herkömmlichen Schäkel aus Metall gearbeitet haben.

Daneben nahmen wir an einer Reihe von Seminaren teil, mit denen die ARC-Organisation uns auf die Reise vorbereitete. Da ging es u.a. um Kommunikation per Kurzwelle und Mails über Funk, über Wetter und Wetterberichte auf hoher See oder über das andauernde Segeln vor dem Wind.

Auch der Spaß kam nicht zu kurz, mit Crewdinners und Sundowners, wo man mit den Crews anderer Boote ins Gespräch kam, oder mit einem Kostümfest  unter dem Motto “zurück in die Sechziger”, wo ich mich mit meinem Kostüm in bester Gesellschaft wiederfand und wir uns alle mit “Peace, Brother!” begrüßten.

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Im Laufe der Woche traf dann auch unser viertes Crewmitglied ein, sodass wir uns dann dem Einkaufen widmen konnten. Für maximal vier Mengen wegen, aber auch die Frage, WAS wir alles brauchen, war nicht einfach zu beantworten. Frischware wie Obst, Gemüse, Fleisch usw. hält sich bei diesen Temperaturen eben nicht vier Wochen. Also muss man für die zweite Hälfte des Törns das Essen anders planen.

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So langsam rückte der Start immer näher und das Boot wir auch am Tag vor dem Start fertig, sodass der große Stress vorbei war.

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Getestet haben wir im Hafen und bei einem Probeschlag noch die typische Passatbesegelung für das Fahren plat vor dem Wind: Großsegel auf einer Seite mit Bullenstander bzw. Baumbremse und Genua mittels des Spinnakerbaums auf der anderen Seite ausgebaumt. Und so sieht das Ganze aus:

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Wichtig ist es, aufgrund der relativ hohen Wellen, den Spinnakerbaum in allen Richtungen gegen Bewegung zu sichern. Dazu dienen neben der Toppnant (die Toppnant, das Toppnant – ich hab keine Ahnung) als Absicherung nach oben zwei weitere Leinen, die den Baum nach vorn und achtern absichern, wie dieses Detailfoto zeigt:

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Am Tag vor dem Start gab es dann den großen Abschiedsempfang im Königlichen Yachtclub mit reichlich Drinks und Canapees. Ich schätze mal, dass da über Tausend Leute waren.

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Neben netten Gesprächen gab es natürlich auch die obligatorische Festreden vom Chef der ARC, dem Präsidenten des Königlichen Yachtclubs, der Tourismus-Chefin von St. Lucia usw.

Und zum Abschluss bekamen wir dann über dem Yachthafen ein großes Feuerwerk serviert.

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Müde fielen wir dann in die Kojen für die letzte Nacht ohne Schaukelei für wahrscheinlich drei Wochen.

Am Sonntag, den 20. November ging es dann endlich los. Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück legten wir dann um 11.30 Uhr ab, um hinaus zur Startlinie zu fahren. Es ist schon ein beeindruckendes Bild: Tausende von Menschen stehen rundherum und verabschieden uns und zweihundertdreißig Boote drängeln sich durch die enge Hafeneinfahrt nach draußen, angeführt von der “Almagores  II”, mit über 33 Metern dem größten Schiff der Flotte.

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Hier mal einfach der Reihe nach einige Eindrücke von dieser gemeinsamen Ausfahrt.

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Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die kleine Ketsch im Vordergrund fuhr natürlich nicht mit Bin gleich zurück.

 

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Die gelben Polos seht Ihr übrigens auf vielen Bildern der ARC – das ist die Organisations-Crew.

 

 

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Als wir dann endlich aus dem Hafen heraus waren, war das Gedränge immer noch groß. Unser Skipper musste höllisch aufpassen, damit wir niemanden über den Haufen fuhren bzw. von den Großen nicht über den Haufen gefahren wurden. Schließlich war unsere Maxi 1300 mit 13 Metern eine der kleineren Yachten des Feldes.

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Endlich, um genau 13 Uhr Ortszeit passierten wir dann mit 230 anderen Booten zusammen die Startlinie und es ging los.

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Wie es weiter ging, erzähle ich dann in den nächsten Blogs, damit es noch etwas spannend bleibt.

Also wie immer: Stay tuned !

Euer Segelwolf

Bald geht es wieder los!


Mal ein kurzes Lebenszeichen zwischendurch.

Wie schon angekündigt, war ich letzte Woche auf der Messe Hanseboot in Hamburg, um auf dem gemeinsamen Messestand der Segelschule Well Sailing und von Nordtörn mitzuhelfen. Es war eine anstrengende, aber interessante Woche. Neben vielen Interessenten habe ich auch erfreulicherweise eine Reihe von alten Segelbekannten wiedergesehen, die man sonst selten sieht.

Hanseboot

Inzwischen bin ich wieder zuhause, vervollständige mein Arztprogramm (in meinem Alter sollte man sich regelmäßig durchchecken lassen, wenn man einen Beruf ausübt wie ich) und versuche. halbwegs Ordnung auf meinem Schreibtisch zu schaffen. Außerdem steht Kontaktpflege mit potentiellen Auftraggebern auf dem Programm – ich brauche  ja ausreichend Segeljobs im nächsten Jahr. Es sieht da ganz gut aus, aber dazu später mehr.

Ab morgen geht es dann an das Vorbereiten meiner Reisetasche, denn am kommenden Sonntag fliege ich nach Gran Canaria zu meinem Freund Tibor, auf  dessen “Capt. Cook” wir dann am 20. November um 14 Uhr zusammen mit 230 anderen Yachten zur “Atlantic Rallye for Cruisers” (ARC) aufzubrechen. Der Weg wird uns dann ohne weitere Landberührung direkt von Las Palmas nach St. Lucia in der Karibik führen. Auch auf dieser Reise ist das Schiff wieder mit einem GPS Tracker ausgerüstet, sodass Ihr unseren Weg über den Atlantik im Internet verfolgen könnt. Dazu später mehr.

So stay tuned!

Eigentlich gibt es nix zu berichten…


Letzte Woche hatte ich meinen letzten Ostseetörn (zugegebenermaßen war es auch schon ziemlich kalt) und habe mit meinem Kollegen Roger die letzten Schüler für dies Jahr um SKS-Schein geführt.

Ich hab also einfach mal in meine Fotos geschaut und nachgesehen, was sich noch zur Veröffentlichung lohnt.

Zum Beispiel Schiffsnamen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich schon seit Jahren seltsame Bootsnamen sammele, um gelegentlich daraus mal ein Buch mit kleinen lustigen Essays zu machen. Hier mal als Appetithappen zwei Stück aus meinen Reisen der letzten Wochen.

Streitfall (Medium)

hä?

Um was geht es denn hier wohl? Ob das Boot nach der Scheidung in zwei Hälften geteilt wird? Und wenn ja: Längs oder quer?

Aber den absoluten Hit an Absurdität habe ich im Olympiahafen in Kiel-Schilksee liegen sehen:

Brotfabrik (Medium)

3. Moskauer Brotfabrik??? Da würde ich doch zu gerne mal den Eigner befragen, was für eine Geschichte sich hinter so einem Bootsnamen verbirgt.

Vor allem stelle ich mir gerade vor, was passieren wird, wenn man sich mit diesem Schiffsnamen per Funk in einem Hafen anmeldet. Ob der Krankenwagen dann schon am Kai steht und wartet?

Und bei diesem Schiff ist es bei dem Namen auch vielleicht besser, dass es an Land stehtFlirten - Mann

Amen (Medium)

Sonst gibt’s eigentlich nichts zu berichten. Es kann ja auch nix schaden, mal wieder ein paar Tage zuhause zu sein. Wenn ich alles zusammenrechne, werde ich in diesem Jahr so viel auf See gewesen sein wie noch nie.

Richtig schöne Herbsttage hatten wir. Ich durfte noch mal Rasen mähen und dann kam das Herbst-Highlight. Nachdem ich jahrelang an der Nahe und am Rhein gewohnt habe, ist es uns hier oben im hohen Norden zum ersten Mal gelungen, richtig fett Wein zu ernten. Eine Rebe haben wir, an der Westseite des Hauses, die von Angelika den ganzen Sommer über gepflegt und beschnitten wurde.

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Und jetzt schaut mal, was da als nordfriesische Spätlese heraus kam:

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Über zwölf Kilo Trauben haben wir von der einen Rebe geholt, die auch noch superlecker und süß waren. Die halbe Nacht hat Angelika damit zugebracht, die ganze Ernte in Traubensaft und Traubengelee zu verwandeln. Was ihr hier seht, ist immer noch nicht alles, am nächsten Morgen kam noch mehr dazu.

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Ich bin jedenfalls ganz begeistert.

Ach ja, eine Sache habe ich noch vergessen: Zum ersten Mal hat mich die deutsche Wasserschutzpolizei geärgert. Ich tuckere da ganz gemütlich bei totaler Flaute auf Rügen durch den Bodden, da erschien plötzlich ein Schlauchbootflitzer der Wasserschutzpolizei wie Ziethen aus dem Gebüsch, um mir nachstehendes Knöllchen zu präsentieren:

IMAG0282 (Medium)

Falls man es nicht lesen kann, da steht: “Kegel nicht gezeigt, trotz Segel/Motor”.

Grrrrr

Tja, wie geht es nun weiter?

Nächste Woche findet Ihr mich eine Woche lang auf dem Stand von Well Sailing auf der “Hanseboot” in Hamburg. Falls Ihr Lust habt und in Hamburg seid, kommt vorbei – ich freue mich über jedes Gespräch mit Euch.

Danach habe ich dann noch eine Woche, mich auf die Atlantiküberquerung vorzubereiten. Am 13. November fliege ich dann nach Las Palmas, um das Schiff mit vorzubereiten, und am 20. November um Punkt 14 Uhr ist dann Start über den großen Teich nach St. Lucia.

So stay tuned!